artec technologies AG: Strategische Positionierung stimmt - Vorstandsinterview

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Die GBC-Analysten Cosmin Filker und Marcel Goldmann haben mit Thomas Hoffmann, dem Vorstandsvorsitzenden der artec technologies AG, über die Bedeutung der jüngsten Großaufträge sowie über die weiteren Pläne und Perspektiven des Unternehmens gesprochen.

GBC: Herr Hoffmann, Sie haben sich in den vergangenen Jahren mit der Erweiterung der XENTAURIX-Plattform um Cloud-Services und der Konzentration auf Sicherheitssysteme (MULTIEYE) für Behörden (BOS) strategisch neu aufgestellt. Wird es im laufenden Geschäftsjahr weitere strategische Anpassungen geben?

Herr Hoffmann: Keine tiefgreifenden. Diese Phase ist abgeschlossen. Wir sind strategisch und technologisch hervorragend aufgestellt, um im laufenden Jahr wieder auf den Wachstumskurs zurückzukehren. Die Medienlandschaft ist derzeit in einem großen Wandel und im Video-Sicherheits-Bereich stellen sich viele BOS technologisch neu auf. Davon wollen wir profitieren.

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GBC: Die vergangenen strategischen Weichenstellungen und die technologischen Investitionen scheinen sich vor dem Hintergrund der kürzlich vermeldeten Großaufträge bereits auszuzahlen. Um was dreht es sich hierbei und welche Effekte erhoffen Sie sich hieraus für die zukünftige Geschäftsentwicklung?

Herr Hoffmann: Wir beginnen zu liefern, was wir versprochen haben. Mit den drei Aufträgen haben wir für viel Aufsehen gesorgt. Sie geben einen guten Überblick über unser Leistungsspektrum und sind ein sehr guter Mix zwischen Video Cloud sowie großen und kleineren Projekten. Der Medienkonzern als Cloud-Kunde ermöglicht kontinuierliche gut planbare Cashflows. Der Großauftrag für das Bundesministerium für Inneres ist komplex, aber auch hier wollen wir die erste Stufe bereits bis zum dritten Quartal umsetzen. Der Auftrag der Landesmedienanstalt zur Aufzeichnung und Analyse von TV und Internetstreams lässt sich relativ kurzfristig umsetzen und die Mittel werden wieder frei. Anfragen von weiteren Landesmedienanstalten liegen uns bereits vor.

GBC: Welchen Nutzen haben Ihre Kunden von Ihrem neuen Cloud-Angebot?

Herr Hoffmann: Mit der XENTAURIX-Cloud bieten wir Unternehmen eine höchst komfortable Plattform, um ihre Audio-Video-Daten – beispielsweise aus TV, Radio, Streaming-Diensten und Social Media – gezielt auszuwerten und neue Inhalte zu produzieren. Hierfür stehen unterschiedlichste kognitive Analyse-Werkzeuge – sogenannte Engines – zur Verfügung, die Schritt für Schritt durch den Einsatz von Deep-Learning und künstlicher Intelligenz(KI)-Programme weiterentwickelt werden. Aufgrund der offenen Architektur ist das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten riesig. Dazu gehören unter anderem das Video Fingerprint, sie ermöglicht Medienunternehmen die automatische, visuelle Suche nach identischen oder ähnlichen Sendeinhalten. Beispielsweise um Urheberrechtsverletzungen zu verfolgen.

GBC: Vor dem Hintergrund der weltweit zunehmenden Sicherheitsdebatten aufgrund von bspw. verstärkter Terrorgefahr oder ansteigender Kriminalität, in wie weit kann der Sicherheitsbereich der Artec technologies AG hiervon profitieren?

Herr Hoffmann: Auch im Sicherheitsbereich wird es immer wichtiger Informationen aus unterschiedlichsten Signalquellen zusammenzuführen, um ein Gesamtbild – einer Gefahrensituation oder einer gesuchten Person – zu erlangen. Ende Februar haben wir auf der Sicherheitsmesse GPEC unter anderem unsere neue MULTIEYE-BOS Plattform präsentiert sowie ein spezielles Aufzeichnungssystem vorgestellt. Wir dürfen aus Sicherheitsgründen nicht ins Detail gehen, nur soviel: gesuchte Personen, Fahrzeuge und durch Mustererkennung auffälliges Verhalten lassen sich in Echtzeit erkennen.

GBC: Nachdem im Media & Broadcast-Bereich (XENTAURIX) die Produktpalette um Cloud-Services maßgeblich erweitert wurde, welche produktseitigen Neuerungen dürfen wir in Zukunft im Sicherheitsbereich erwarten?

Herr Hoffmann: Um unseren Kunden den maximalen Mehrwert und größtmögliche Flexibilität zu bieten, steht die Plattform auch Engines von Drittanbietern offen. Daher können wir auf Kundenwunsch kurzfristig neue Analysetools integrieren. Beispielsweise Sentimentsanalyse, Gesichts- und Objekterkennung, Übersetzung unterschiedlichster Sprachen, sowie Fake-News-Erkennung.

GBC: Erst kürzlich haben Sie eine Kapitalerhöhung in Höhe von 0,93 Mio. Euro vermeldet (Bruttoemissionserlös). Wofür sollen die eingeworbenen Gelder konkret verwendet werden und planen Sie zukünftige weitere Kapitalmaßnahmen, um Ihr Unternehmen weiterzuentwickeln?

Herr Hoffmann: Die Mittel fließen direkt in die Umsetzung unseres Auftragsbestands. Außerdem erweitern wir unsere Cloud-Plattform für die Analyse audiovisueller Daten. Dies gilt für unsere gemietete Kapazität in einem Colocation-Rechenzentrum als auch neue Analyse-Tools. Darüber hinaus wollen wir neue Mitarbeiter einstellen.

GBC: Sie haben kürzlich mehrere Großaufträge gewinnen können. Welche Geschäftsentwicklung erwarten Sie hieraus für das laufende Geschäftsjahr 2018?

Herr Hoffmann: Nach den Entwicklungsjahren 2016 und 2017 wollen wir 2018 wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren und auch in den kommenden Jahren wieder profitabel wachsen.

GBC: Wo sehen Sie Ihr Technologieunternehmen in den kommenden Jahren, insbesondere im Hinblick auf Absatzregionen, Produktangebot sowie Geschäftsvolumen?

Herr Hoffmann: Wir werden uns auf unsere Cloud-Plattform und Projekte in der DACH-Region konzentrieren. Hier können wir auch mit dem Blick auf Datensicherheit mit „Made in Germany“ punkten. Internationalere Projekte machen wir nur, wenn es sich wirklich lohnt. Mittelfristig spannend wäre die Auslizensierung unserer Video Cloud beispielsweise nach Asien, aber derzeit konzentrieren wir uns voll aufs operative Geschäft.

GBC: Herr Hoffmann, vielen Dank für das Gespräch.

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