Die Aktie von Südzucker erlebt gerade einen zweiten Frühling. Der Jahreshöchstwert von Ende März bei gut 13 Euro ist nicht mehr fern. Während das Hoch im ersten Quartal nahezu ausschließlich auf den Krieg am Golf zurückzuführen war, hat der derzeitige Börsenaufschwung gleich mehrere Gründe. Für Anleger bietet die aktuelle Situation Chancen.
Im März war die Rechnung der Börsianer noch recht eindimensional: Steigende Ölpreise durch den Konflikt am Golf treiben die Spritpreise, was wiederum auch die Anbieter von Biosprit begünstigt. Zwar ist Südzucker kein reiner Biokraftstoffhersteller, über die Tochter CropEnergies jedoch verdienen die Mannheimer am Spritpreis mit.
Mittlerweile jedoch sind es mehrere Faktoren, die den Aktienkurs von Südzucker begünstigen. Ein Grund sind die verschlechterten Ernteaussichten durch die Dürre in Deutschland. Agrarverbände warnen vor einer historisch schlechten Ernte, unter anderem bei Zuckerrüben. Da strukturelle Überkapazitäten bereits zurückgefahren wurden, könnte sich ein steigender Zuckerpreis sogar bei etwaigen Mengenrückgängen unterm Strich lohnen.
Ein weiterer Faktor ist eine neue, geopolitische Komponente: Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland tobt zwar seit über vier Jahren, zielt nun aber auch auf die Schwarzmeerhäfen. Zwar hat die Ukraine die Häfen in Odessa und Tschornomorsk weiter unter der Kontrolle, durch ständige Drohnenangriffe ist die Wasserroute in die EU jedoch stark beeinträchtigt. Die Reederei Maersk hat bereits Ende Juli angekündigt, den Hafen in Tschornomorsk nicht mehr anzusteuern. Da die EU der Ukraine bis zu bestimmten Mengen zollfreien Zugang zu den EU-Agrarmärkten gewährt hat, könnten geringere Importe die Preise in der EU zumindest stabilisieren.
Inwieweit sich diese Entwicklungen tatsächlich in den Zahlen niederschlagen, lässt sich wohl erst am 8. Oktober bei Vorlage der Q2-Bilanz 2026/27 beantworten. Und auch, was die ab 2027 geplante Zuckersteuer genau für Südzucker bedeutet, ist noch mit Fragezeichen behaftet. Für Südzucker-Aktionäre macht es Sinn, die Aktie zu halten. Denn: So viele hoffnungsvolle Signale gab es für das Papier schon lange nicht mehr. Zu beachten ist aber, dass die aktuellen Treiber nur von temporärer Dauer sein werden.
(aktien-global, 26.08.2026, 11:45 Uhr)
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