clearvise: Operativ auf Kurs - jetzt rückt die entscheidende Weichenstellung näher

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Die Börse bleibt bei clearvise skeptisch. Mit zuletzt rund 1,11 Euro notiert die Aktie nicht nur deutlich unter den früheren Kursniveaus, sondern inzwischen auch mehr als 40 Prozent unter dem bilanziellen Eigenkapital je Aktie. Bemerkenswert ist dieser Abschlag vor allem deshalb, weil sich die operative Entwicklung zuletzt in die andere Richtung bewegt hat.

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Im ersten Halbjahr erhöhte clearvise die Erlöse von 18,2 auf 22,3 Mio. Euro und damit um rund 23 Prozent. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 15 Prozent auf 15,7 Mio. Euro. Auch für das Gesamtjahr stellt das Management weitere Zuwächse in Aussicht: Der Umsatz soll um 9 bis 14 Prozent steigen, beim bereinigten EBITDA wird ein Plus zwischen 4 und 12 Prozent erwartet.

Robustes Geschäftsmodell

Dass diese Entwicklung trotz eines schwierigen Marktumfelds gelingt, ist durchaus beachtlich. Die Strompreise sind seit den Extremwerten der Jahre 2022 und 2023 deutlich gefallen. Zugleich sorgt der schnelle Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung immer häufiger für negative Spotmarktpreise und Abregelungen von Anlagen.

clearvise ist diesen Entwicklungen allerdings nicht vollständig ausgeliefert. Ein Teil der Produktion wird über feste Einspeisevergütungen und längerfristige Stromabnahmeverträge vermarktet. Bei netzbedingten Abschaltungen erhält das Unternehmen zudem Entschädigungen. Das sorgt für eine gewisse Stabilität der Cashflows und reduziert die unmittelbare Abhängigkeit von den Spotmarktpreisen.

Hinzu kommt, dass clearvise das Portfolio weiter optimiert. In den vergangenen Monaten wurden unter anderem kleinere PV-Anlagen mit hohem Verwaltungsaufwand verkauft und neue Stromabnahmeverträge abgeschlossen. 

Entscheidung über Kapitaleinsatz steht aus

Der zentrale Unsicherheitsfaktor für Anleger liegt derzeit deshalb weniger im operativen Geschäft als in der Kapitalallokation. clearvise hat sich im vergangenen Jahr als YieldCo positioniert und will perspektivisch einen möglichst großen Teil der erwirtschafteten freien Mittel an die Aktionäre ausschütten. Bevor dieser Modus vollständig erreicht ist, prüft das Management allerdings noch verschiedene Investitionsmöglichkeiten. Dazu zählen Projekte, deren Rechte bereits während der früheren Expansionsstrategie gesichert wurden, ebenso wie Batteriespeicher und Repowering-Maßnahmen. Parallel kommen weitere Verkäufe aus dem bestehenden Portfolio infrage, sofern sich damit Kapital für attraktivere Projekte freisetzen lässt.

Genau diese noch offene Weichenstellung könnte derzeit einen Teil des Bewertungsabschlags erklären. Anleger wissen bislang nicht, wie viel Kapital clearvise noch investieren wird, welche Assets möglicherweise verkauft werden und wann größere Ausschüttungen beginnen können.

Sobald hierzu ein klarer Fahrplan vorliegt, könnte sich der Blick stärker auf die andere Seite der Investmentstory richten: ein langfristig Cashflow-starkes Wind- und Solarportfolio, steigende operative Kennzahlen und eine Aktienbewertung deutlich unter dem Buchwert. Bis dahin dürfte die Geduld der Anleger allerdings noch etwas gefragt bleiben.

(aktien-global.de, erstellt 07.08.26, 10:56 Uhr, veröffentlicht 07.08.26, 11:40 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)

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