Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat sich der Stellenwert des europäischen Rüstungssektors sowohl in der Öffentlichkeit als auch an der Börse deutlich gewandelt. Massiv steigende Aufträge, Umsätze und Erträge sowie die Perspektive auf eine noch jahrelange Fortsetzung dieser Sonderkonjunktur haben die Aktien von Rheinmetall, Hensoldt sowie vieler weiterer Unternehmen mit Defence-Aktivitäten zu Börsenlieblingen aufsteigen lassen. Die Aktie von Rheinmetall, die noch 2021 unter 90 Euro notiert hatte, wird inzwischen für etwa 1.300 Euro gehandelt; in der Spitze wurden sogar knapp 2.000 Euro bezahlt.
Ein Grund für den massiven Anstieg, der sich auch in sehr hohen Bewertungskennzahlen niederschlägt, ist das aus Anlegersicht überschaubare Angebot an Aktien, mit denen an der Entwicklung des europäischen Rüstungssektors partizipiert werden kann.
Doch inzwischen gab es einige Neuzugänge auf dem Kurszettel, und ein weiterer ist im Anflug. Noch bis zum 27. April können die Aktien der electrovac AG gezeichnet werden, eines spezialisierten und zuletzt hochprofitablen Technologieführers auf einem kleinen, aber für die adressierten Anwendungen erfolgskritischen Gebiet.
Im Vorfeld des Börsengangs hat aktien-global.de mit dem Unternehmen gesprochen:
Aktien-global: Was genau ist Ihre Kernkompetenz und in welchen Produkten findet sie Anwendung?
electrovac: Die electrovac AG ist ein Spezialist für die Herstellung hermetischer Gehäuse und Technologieführer bei Glas-Metall-Verbindungen. Diese schützen empfindliche Sensoren zuverlässig vor äußeren Einflüssen wie Temperaturschwankungen, hoher Druckbelastung oder aggressiven Substanzen. Aufgrund ihrer Präzision und Robustheit werden hermetische Glas-Metall-Verbindungen vor allem in sicherheitskritischen Bereichen wie Fahr- und Flugzeugen, Satelliten oder der Verteidigung eingesetzt.
Aktien-global: Was unterscheidet electrovac technologisch und im Geschäftsmodell von den wichtigsten Wettbewerbern?
electrovac: Die Basistechnologie ist seit Jahrzehnten etabliert, aber nur sehr wenige Unternehmen - in unserem Kernbereich Personal Safety sind wir weltweit einer von nur zwei echten Anbietern - verfügen über das entsprechende Know-how. Wir haben das Wissen zu den verschiedenen Materialien und Herstellungsverfahren, die industrielle Fertigungskompetenz und die internationalen Zertifizierungen. Vom Musterbau bis zur Großserie liefern wir kundenspezifische Lösungen im industriellen Maßstab. Ein hoher Automatisierungsgrad und eine starke vertikale Integration aller Prozesse tragen dazu bei, unsere Marktstellung und Margen zu schützen.
Aktien-global: Sie bezeichnen die Bereiche Personal Safety und Aerospace & Defense als ihre Wachstumstreiber. Könnten Sie etwas genauer beschreiben, was ihre wichtigsten Produkte hier sind und wie die Perspektiven aussehen?
electrovac: Personal Safety ist unser Kernbereich, hier sorgen unsere Produkte dafür, dass wichtige Sicherheitssysteme in Fahrzeugen zuverlässigen Schutz bieten. Hauptprodukte sind dabei Sockel und Kontaktstifte für Airbagzünder oder Gurtstraffer, deren Anzahl pro Fahrzeug seit Jahren zunimmt. Der steigende Anteil an E-Fahrzeugen erhöht ebenfalls die Nachfrage, weil dort zusätzliche Sicherheitssysteme notwendig sind, beispielsweise zur Abtrennung der Batterie im Falle eines Unfalls.
Im Bereich Aerospace & Defense kommen unsere Produkte z.B. in Flugabwehrsystemen zum Einsatz, wo sehr starke Vibrationen herrschen, aber auch in bestimmten Munitionstypen. Im zivilen Umfeld schützt die Technologie von electrovac die Sensorik von Höhenmessern in Flugzeugen oder sorgt für eine zuverlässige Übertragung von Satellitendaten.
Aktien-global: Die im Emissionsprospekt veröffentlichten Zahlen zeigen zuletzt wachsende Umsätze und steigende Margen. Besonders auffällig war die hohe EBIT-Marge von 12,2 Prozent im Neunmonatszeitraum 2025/26. Können Sie erläutern, was hinter dem jüngsten Wachstum und dem Margenanstieg steht?
electrovac: In erster Linie sind das Skaleneffekte, die aus der Erweiterung unserer Produktionskapazitäten einhergehen. Im Geschäftsjahr 2025/26 haben wir in Thailand eine zweite Fertigungslinie für 60 Millionen Teile pro Jahr in Betrieb genommen, die in kürzester Zeit voll ausgelastet war. Das unterstreicht das Wachstumspotenzial und zeigt, dass es uns gelingt, Marktanteile zu gewinnen. Ein weiterer Effekt resultiert aus Veränderungen im Produktportfolio. Insbesondere das starke Wachstum im Bereich Aerospace & Defense macht sich hier positiv bemerkbar.
Aktien-global: Können Sie schon genauer beziffern, wie das Geschäftsjahr 2025/26 geendet hat?
electrovac: Wie im Wertpapierprospekt dargestellt, erwarten wir ein Umsatzwachstum auf mehr als EUR 116 Mio. Mehr dürfen wir hierzu aufgrund des Börsengangs nicht sagen, aber an den Halbjahreszahlen lässt sich ablesen, dass sich auch das Ergebnis im Verhältnis zum starken letzten Jahr nochmals deutlich verbessern wird.
Aktien-global: Ihre mittelfristige Prognose lautet auf 150 Mio. Euro Umsatz und eine EBIT-Marge von über 12 Prozent. Wie, bis wann und in welchen jährlichen Schritten soll das erreicht werden?
electrovac: Umsatzwachstum und Margenverbesserung hängen maßgeblich vom Aufbau der IPO-finanzierten zusätzlichen Produktionskapazitäten ab. Diese Projekte werden etwas Zeit in Anspruch nehmen, sodass der Hochlauf über die nächsten Jahre stattfindet. Während die Planungen in Thailand und China schon weit fortgeschritten sind, haben wir das Upside aus einem US-Standort in der Mittelfristplanung aus Gründen der Vorsicht noch gar nicht berücksichtigt.
Aktien-global: Worin sehen Sie die größten Risiken für Ihre Planungen?
electrovac: Auf der Kundenseite machen wir uns relativ wenig Sorgen. Wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen, sind gemeinsam in den Entwicklungsprojekten und kennen die Nachfrage deshalb genau. Entscheidend ist es, die entsprechenden Kapazitäten aufzubauen und zum Laufen zu bringen. Dass wir das können, haben wir in Deutschland, Österreich und Thailand gezeigt.
Aktien-global: Wofür werden die Mittel aus dem IPO konkret eingesetzt?
electrovac: Die erwarteten knapp EUR 30 Mio. werden zur Erweiterung der Produktionskapazitäten, vor allem in Thailand, China und USA eingesetzt. Dies geschieht in Abstimmung mit den Kunden, so dass eine hohe Auslastung wahrscheinlich ist.
Aktien-global: Warum legen Sie beim IPO einen so starken Fokus auf Privatanleger?
electrovac: Die Beteiligung von Privatanlegern erhöht die Liquidität der Aktie und schafft Stabilität in der zukünftigen Finanzierung. Außerdem ist es uns wichtig, dass sich die Arbeit, die private Investoren in die Analyse der Aktie stecken, auch in einer entsprechenden Zuteilung widerspiegelt. Wir halten dies einfach für ein Gebot der Fairness.
Aktien-global: Wir danken Ihnen für das Gespräch.
(aktien-globlal.de, erstellt 26.04.26, 8:59 Uhr, veröffentlicht 26.04.26, 9:04 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
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