Die Aktie der Commerzbank eilt von Hoch zu Hoch. Wenngleich das Tauschangebot der UniCredit an die Anteilsinhaber der Commerzbank abgelaufen ist, orientiert sich der Commerzbank-Aktienkurs noch immer an der Notierung der italienischen Großbank. Die steht bei Analysten unverändert hoch im Kurs. Für die Commerzbank-Aktionäre läuft bislang alles nach Plan, für den Bund wohl nicht.
Die US-Investmentbank J.P. Morgan sieht ein Kursziel von 94 Euro für die UniCredit, die kanadische RBC immerhin noch 90 Euro. Aktuell notiert die UniCredit um CEO Andrea Orcel bei rund 83,50 Euro. Gemessen am einstigen Übernahmeangebot von 0,485 UniCredit-Aktien für einen Commerzbank-Anteilschein müsste die Commerzbank-Aktie demnach bei rund 40,50 Euro notieren. Tut sie aber nicht. Noch immer gesteht die Börse dem Papier der Frankfurter einen Aufschlag von fast 5 Prozent zu.
Sollte die UniCredit die Commerzbank-Aktie von der Börse nehmen wollen, benötigt sie weitere Stücke. Die können über den Markt erworben werden, von Großaktionären kommen oder durch ein neues, verbessertes Umtauschangebot von freien Aktionären angedient werden. Denn erst bei einem Aktienanteil von 95 Prozent wäre ein Squeeze-out möglich. Ob und wann es soweit ist, bleibt völlig offen. Der nächste Schritt dürfte sein, einen Beherrschungsvertrag zu schließen. Dafür benötigt Orcel 75 Prozent Zustimmung auf der Hauptversammlung.
Im Gespräch mit Orcel hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil am vergangenen Montag seine Positionen klar gemacht: Eigene Börsennotierung der Commerzbank, keine betriebsbedingten Kündigungen, Firmensitz in Frankfurt und zwei Sitze im Aufsichtsrat. Die Replik von Orcel war mit feiner Klinge geführt und richtete sich an Klingbeil und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gleichermaßen. Dass jetzt die richtigen Parteien zusammensitzen und der Bund immerhin mit 12 Prozent der zweitgrößte Commerzbank-Aktionär ist, sagt zweierlei: Erstens, dass Orcel mit Orlopp nicht mehr über die strategische Ausrichtung der Commerzbank sprechen wird und zweitens, dass der Bund bei der Commerzbank lediglich über Aktionärsrechte verfügt. Nicht mehr und nicht weniger.
Klingbeil kann daher fordern, was er will und Orcel kann machen, was er will. Zumindest solange sich die UniCredit an das Aktien- und Wertpapierhandelsgesetz hält. Das gilt übrigens auch für die Besetzung des Aufsichtsrats: Dieser wird von der Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit gewählt. Eine „goldene Aktie“ hat der Bund nicht. Da die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) der Übernahme bereits zugestimmt hat, werden sich auch die europäischen Wettbewerbsbehörden aller Voraussicht nach nicht anders verhalten. Wer die Commerzbank-Aktie im Depot hat, sollte weiter investiert bleiben. Für Squeeze-out-Spekulationen ist es jedoch viel zu früh.
(aktien-global.de, 16.09.2026, 12:45 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
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