Die Commerzbank hat den Übernahmekampf gegen die UniCredit verloren. Als Gewinner dürfen sich hingegen die Commerzbank-Aktionäre fühlen. Denn ungeachtet des in den Augen von CEO Bettina Orlopp und ihrer Kollegen zu geringen Tauschangebots haben diese ihr eingesetztes Kapital seit Bekanntwerden der Übernahme-Avancen mehr als verdreifacht. Doch möglicherweise ist die Geschichte noch nicht auserzählt.
Es war einmal: Im September 2024 veräußerte der Bund ein 4,5-Prozent-Paket seiner 2008 im Zuge der Finanzkrise eingegangenen 16,5-Prozent-Beteiligung an der Commerzbank. Der im Nachhinein doch recht blauäugige Verkauf war der Auftakt zu einer mitunter erbittert geführten Übernahme-Schlacht um die Commerzbank. So erbittert, dass für CEO Orlopp die weitere Karriere beim Frankfurter Geldhaus damit Geschichte sein dürfte.
Wenngleich die Schlacht bereits geschlagen ist, bleiben noch viele offene Fragen. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein hat im Gespräch mit UniCredit-CEO Andrea Orcel jüngst diverse Forderungen an die Italiener gerichtet. Dabei dürfte es vorrangig um den zu befürchtenden tiefgreifenden Stellenabbau gegangen sein. Und natürlich um die Frage, wo die Bank den Firmensitz haben wird. Stichwort: Steuereinnahmen. All dies ist gerade für die hessische Politik wichtig. Einen Hebel gibt es. Mit 12 Prozent der Firmenanteile könnte der Bund als Anteilseigner die Italiener noch immer kräftig ärgern.
Am 14. September steht aber noch ein weiterer wichtiger Termin an. Dann nämlich trifft der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in Berlin mit Orcel zusammen. Wenngleich viele Finanzakteure Klingbeil bei diesen Verhandlungen nicht vollständig auf Augenhöhe sehen, sollte eines nicht vergessen werden: Als Junior-Partner zeigt er der CDU seit Beginn der Regierungstätigkeit im Mai 2025 sehr wohl, wie Interessen durchgesetzt werden.
Ob es dem SPD-Mann nur um die Sicherung der auf dem Spiel stehenden Arbeitsplätze geht, darf bezweifelt werden. Vielmehr könnte Klingbeil vor dem Hintergrund leerer Staatskassen versuchen, das Aktienpaket des Bundes für einen guten Preis in den Ring zu werfen. „Geld gegen Ruhe im Haus“ dürfte von Orcel durchaus als Win-Win-Situation verstanden werden. Beim aktuellen Kurs der UniCredit von knapp 84 Euro entspricht das Tauschangebot einem Wert von 40,75 Euro für die Commerzbank-Aktie. Am Markt kosten die Papiere sogar 42,30 Euro. Es bleibt also spannend. Commerzbank-Aktionäre sollten ihre Papiere noch halten.
(aktien-global.de, 09.09.2026, 10:05 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
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