Die Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit könnte nun doch schneller über die Bühne gehen, als zunächst gedacht. Denn unmittelbar nach der finalen Zustimmung der europäischen Wettbewerbsbehörden will der UniCredit-Chef Andrea Orcel in einer außerordentlichen Hauptversammlung die Weichen auf Zusammenschluss stellen. Für den Aktienkurs der Commerzbank muss das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht sein.
Wie die Transaktion zwischen Commerzbank und UniCredit genau aussieht, ist noch nicht geklärt. Im Rahmen einer Kapitalmarktkonferenz in London in der vergangenen Woche hat die Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp den Investoren drei mögliche Wege aufgezeigt. Ob Orlopps neuer Arbeitgeber dies als ein Friedensangebot oder doch eher als einen Affront wertet, ist nicht überliefert.
Vielleicht ist es den Mailändern auch schlichtweg egal. Denn wenn es gut läuft, könnte schon im Januar 2027 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ein neuer Aufsichtsrat gewählt werden. Medienberichten zufolge sollen alle zehn Vertreter der Kapitalseite neu gewählt werden – was nicht überrascht. Zehn UniCredit-Kontrolleure dürften dann auf zehn Arbeitnehmervertreter treffen. Da der Aufsichtsrat den Vorstand beruft und entlässt, könnte spätestens danach die Ära Orlopp beendet sein. Um Missverständnissen vorzubeugen: Orlopp hat in der Abwehrschlacht einen Top-Job gemacht, was letztlich die Commerzbank-Aktie verteuerte.
Interessanter als die Zukunft von CEO Orlopp sind für die Aktionäre aber die möglichen Optionen, wie es mit der Commerzbank weitergehen könnte. Denn diese beinhalten mitunter weiteres Potenzial für die Commerzbank-Aktie. Auf der Londoner Konferenz nannte Orlopp einmal eine Fusion, ein neues Übernahmeangebot sowie ein darauffolgender Squeeze-out und ein Kauf der UniCredit-Tochter HVB, bezahlt in Commerzbank-Aktien.
Am Ende kommt es auf die Ausgestaltung der einzelnen Optionen an. Am attraktivsten erscheint aber die zweite Variante. Ein erneutes Übernahmeangebot für die noch nicht getauschten Commerzbank-Aktien dürfte höher ausfallen, als das erste Tauschangebot von 0,485 UniCredit-Aktien für einen Commerzbank-Anteilschein. Hinzu kommt, dass bei einem Zwangsausschluss der Minderheitsaktionäre nochmals ein Aufschlag fällig werden könnte. Hierfür sind 95 Prozent des Aktienkapitals erforderlich, bei einem verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out sogar nur 90 Prozent. Dass Orcel möglichst wenig zahlen möchte, ist bekannt. Dennoch sollten investierte Anleger an Bord bleiben und abwarten.
(aktien-global.de, 30.09.2026, 10:55 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
Exklusives Angebot: Top-Analysen von mehreren Qualitätsportalen in einem kostenlosen wöchentlichen Newsletter. Mit Aktien-Global Select bietet das Team von Aktien-Global.de einen exklusiven Service für eine fundierte und komprimierte Information. Hier kostenlos und unverbindlich anmelden.
Bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu möglichen Interessenskonflikten
Veröffentlicht am 






