Advanced Blockchain: Bitcoin als Wertanker - Managementinterview

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Die GBC-Analysten Matthias Greiffenberger und Cosmin Filker haben mit Hatem Elsayed und Maik Laske, CEO bzw. CFO der Advanced Blockchain AG über das aktuelle Umfeld für Kryptowährungen und die Steuerung des Token-Portfolios bei dem Unternehmen gesprochen.

GBC AG: Wie beurteilen Sie das aktuelle Marktumfeld im Kryptosektor, und welche Entwicklungen erwarten Sie mittelfristig, die besonders relevant für die Positionierung und Wachstumschancen der ABAG sind?

Hatem Elsayed: Wir sehen den Kryptosektor aktuell in einer Phase struktureller Reife. Nach mehreren Zyklen aus Innovation und Marktbereinigung hat sich die Branche deutlich professionalisiert. Institutionelle Akteure sind inzwischen fester Bestandteil des Ökosystems, nicht zuletzt durch regulatorische Klarheit in Europa, etwa durch MiCA und MiFID II, sowie den Markteintritt großer Asset Manager über Bitcoin- und Ethereum-ETFs. Analysten gehen davon aus, dass die neu aufgelegten Spot-ETFs mittelfristig mehr als 100 Prozent der neu entstehenden Angebotsmenge von Bitcoin, Ethereum und ausgewählten weiteren digitalen Assets absorbieren könnten. Dies unterstreicht die strukturelle Nachfrage institutioneller Investoren und führt potenziell zu einer anhaltenden Angebotsverknappung.

Mittelfristig halten wir insbesondere drei Entwicklungen für zentral. Erstens die Etablierung von Bitcoin als institutionell akzeptierte Reserve- und Absicherungsanlage. Zweitens die zunehmende Tokenisierung realer Vermögenswerte, die Brücken zwischen Kapitalmarkt und Blockchain schlägt. Drittens die Integration von Blockchain in reale Infrastrukturen, etwa über DePINs sowie Daten- und KI-Anwendungen.

ABAG positioniert sich gezielt an dieser Schnittstelle als börsennotierter Akteur, der institutionellen Investoren einen strukturierten Zugang zu digitalen Assets bietet und gleichzeitig an den langfristigen Werttreibern der Technologie partizipiert.

GBC AG: Wie trägt der geplante Ausbau der Bitcoin-Reserve dazu bei, den angestrebten Flywheel-Effekt zu realisieren und dauerhaft neues Investoreninteresse zu erzeugen?

Hatem Elsayed: Der Ausbau unserer Bitcoin-Reserve ist ein zentraler Bestandteil von ABAG 2.0. Ziel ist es, Bitcoin als langfristigen, transparenten Wertanker in der Bilanz zu etablieren. Durch eine disziplinierte Finanzierung, etwa über niedrig verzinste Wandelanleihen bei Kursprämien, erhöhen wir schrittweise den Bitcoin-Bestand pro Aktie.

Dieser Mechanismus erzeugt einen selbstverstärkenden Flywheel-Effekt. Steigendes Investoreninteresse führt zu einer höheren Marktbewertung, wodurch Kapital zu attraktiveren Konditionen aufgenommen werden kann. Dieses Kapital fließt wiederum in zusätzliche Bitcoin-Käufe, was die Attraktivität der Aktie weiter erhöht.

Entscheidend ist dabei die Einbettung des Bitcoin-Exposures in ein mehrsäuliges Geschäftsmodell. Die ABAG wird bewusst nicht als reines Digital-Asset-Treasury-Unternehmen positioniert, sondern ergänzt die Treasury-Komponente durch weitere operative Pfeiler, die zur Diversifikation und Stabilisierung der Ertragsquellen beitragen und die Abhängigkeit von der reinen Kursentwicklung reduzieren.

GBC AG: Welche Erkenntnisse liefern die bisherigen Backtests Ihres regimebasierten Treasury-Modells und wie unterstützen sie eine stabilere Performance über Marktzyklen hinweg?

Hatem Elsayed: Unsere bisherigen Backtests deuten darauf hin, dass ein rein statisches Buy-and-hold-Modell Marktteilnehmer insbesondere in Seitwärts- und Abschwungphasen ungeschützt gegenüber veränderten Marktregimen und erhöhter Volatilität lässt. Vor diesem Hintergrund verfolgt unser regimebasiertes Modell einen systematischen Ansatz. Dabei werden Marktphasen anhand von Trend- und Volatilitätsindikatoren als bullisch, bärisch oder seitwärts klassifiziert und die eingesetzten Instrumente entsprechend angepasst.

In bullischen Phasen erhöhen wir selektiv das Exposure, während in seitwärts tendierenden Märkten Strategien wie Covered Calls zur Ertragsstabilisierung eingesetzt werden. In schwächeren Marktphasen liegt der Fokus auf Kapitalerhalt und Liquidität.

Die Ergebnisse zeigen eine Reduktion von Wertverlusten in Abwärtsphasen sowie eine Verbesserung der risikoadjustierten Rendite. Damit unterstützt das Modell eine nachhaltigere Wertentwicklung über Marktzyklen hinweg, ein entscheidender Faktor für einen börsennotierten Emittenten.

GBC AG: Welche KPIs helfen Ihnen künftig dabei, die Liquidität und Wertentwicklung Ihres Token-Portfolios noch aktiver und transparenter zu steuern?

Maik Laske: Künftig steuern wir unser Portfolio anhand klar definierter, transparenter KPIs. Auf Treasury-Ebene stehen insbesondere „Bitcoin pro Aktie“, der modifizierte Nettovermögenswert sowie die realisierte BTC-Yield im Fokus. Diese Kennzahlen machen die Kapitalallokation direkt nachvollziehbar.

Im Investment-Portfolio messen wir unter anderem die Entwicklung des Net Asset Value, realisierte Exits, Abschreibungsquoten sowie Diversifikationskennzahlen über Sektoren, Chains und Liquiditätsprofile hinweg. Ergänzt wird dies durch feste Liquiditätsschwellen, um jederzeit handlungsfähig zu bleiben.

Diese KPI-Struktur erlaubt uns ein aktives Portfoliomanagement und erhöht zugleich die Transparenz gegenüber Investoren.

GBC AG: Welche zentralen Meilensteine der Strategie 2026–2028 sehen Sie als entscheidend an und wie möchten Sie deren erfolgreiche Umsetzung sicherstellen?

Hatem Elsayed: Zu den zentralen Meilensteinen zählen der Ausbau der Bitcoin-Treasury inklusive möglicher erster Wandelanleihen, der Launch spezialisierter Investmentfonds, der Aufbau einer skalierbaren Consulting-Einheit sowie die schrittweise Kommerzialisierung von ABX Analytics. Flankiert wird dies durch die weitere Vereinfachung der Konzernstruktur, den Ausbau wiederkehrender Erlöse und die vollständige Etablierung institutioneller Governance-Standards.

GBC AG: Welche Fortschritte gibt es bei der Entwicklung und geplanten Monetarisierung von ABX Analytics sowie den ersten Pilotkunden?

Maik Laske: ABX Analytics befindet sich aktuell in einer strukturierten Vorbereitungsphase. Die konzeptionelle Architektur, erste Prototypen sowie Marktanalysen sind abgeschlossen.

Hatem Elsayed: Zudem haben wir initiale Gespräche mit potenziellen institutionellen Kunden geführt, in denen Interesse an der Produktidee sowie relevante Use Cases adressiert wurden. Dieses Feedback bildet die Grundlage für die weitere Produktentwicklung.

Der nächste Schritt ist der Start einer Proof-of-Concept-Phase, in deren Rahmen ein erster Prototyp entwickelt werden soll. Ziel ist es, die identifizierten Kernfunktionen technisch abzubilden und den Prototypen im Anschluss gemeinsam mit interessierten Marktteilnehmern zu validieren. Aufbauend darauf ist eine weitere Optimierung im Rahmen einer „Minimum Viable Product“-Phase vorgesehen.

Die Monetarisierung ist mehrstufig geplant, über Abonnements für Dashboards, Research-Produkte sowie perspektivisch API-Zugänge und Datenlizenzierung. Wichtig ist uns dabei eine disziplinierte, milestone-basierte Entwicklung, um Kostenkontrolle und Product-Market-Fit sicherzustellen.

GBC AG: Welches Wachstumspotenzial sehen Sie für die ABAG in den kommenden drei bis fünf Jahren auf dem Weg zu einer skalierbaren, ertragsstarken Plattform?

Hatem Elsayed: In den kommenden drei bis fünf Jahren sehen wir erhebliches Potenzial, ABAG als hybride Plattform zwischen dezentraler Infrastruktur (DLT) und Kapitalmarkt zu etablieren. Unser Ziel ist der Aufbau stabiler, wiederkehrender Erlöse über mehrere Säulen hinweg, ergänzt durch selektive Wertsteigerungen aus dem Investment-Portfolio.

Durch die Kombination aus Treasury-Strategie, datengetriebenen Investments, Consulting-Erlösen und Analytics-Produkten entsteht ein skalierbares Geschäftsmodell mit höherer Planbarkeit und wachsender institutioneller Attraktivität.

Maik Laske: Operativ bedeutet das eine deutliche Reduktion der Volatilität gegenüber dem ABAG-1.0-Modell. Gleichzeitig schaffen wir die Grundlage für eine nachhaltige Bewertung, die nicht allein von Marktzyklen abhängt, sondern auf belastbaren Cashflows und klarer Governance basiert.

GBC AG: Welche Governance- und Compliance-Maßnahmen wurden im Rahmen von ABAG 2.0 eingeführt, um Transparenz, Kontrolle und langfristiges Vertrauen bei Investoren sicherzustellen?

Maik Laske: Wir haben Governance und Compliance bewusst ins Zentrum unserer strategischen Neuausrichtung gestellt. Die rechtlich notwendige Aufbereitung der Vergangenheit hat gezeigt, dass robuste Kontroll-, Risiko- und Transparenzstrukturen gefehlt haben.

Konkret haben wir als Vorstand in enger Abstimmung und mit voller Unterstützung des Aufsichtsrats mehrere Maßnahmen umgesetzt beziehungsweise definiert. Dazu gehören eine deutliche Vereinfachung der Konzernstruktur, klarere Zuständigkeiten sowie der Ausbau interner Kontroll- und Reporting-Systeme. Entscheidungsprozesse, insbesondere im Treasury- und Investmentbereich, sind heute stärker regelbasiert, KPI-gestützt und mit klaren Risikolimits versehen.

Im Treasury-Bereich setzen wir auf institutionelle Standards wie Multi-Signature-Custody-Strukturen sowie die regelmäßige Offenlegung zentraler Kennzahlen. An der Umsetzung des Reportings arbeiten wir momentan aktiv.

In Summe zielt ABAG 2.0 darauf ab, Vertrauen nicht kommunikativ zu behaupten, sondern operativ messbar zu machen, durch klar definierte Ausrichtung, disziplinierte Kapitalallokation sowie transparente, stringente und nachvollziehbare Governance-Strukturen.

GBC AG: Vielen Dank für das Interview.




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