EverYield: Infrastrukturplattform vor dem Aufbau - Management-Interview

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Der GBC-Analyst Cosmin Filker hat im Rahmen der aktuellen Anleiheemission mit Mario Mildner, CEO der EverYield AG, über das Geschäftsmodell, die geplante Infrastrukturplattform und die Anleihefinanzierung gesprochen.

GBC AG: Herr Mildner, EverYield positioniert sich nicht als klassischer Immobilienentwickler, Energieversorger oder Entsorgungsdienstleister. Wie würden Sie das Geschäftsmodell in einfachen Worten beschreiben?

Mario Mildner: EverYield entwickelt eine Infrastrukturplattform rund um Klärschlamm, Phosphor, Energie und regionale Wertschöpfung. Der Ausgangspunkt ist ein sehr konkretes Problem: Kommunen und Kläranlagenbetreiber müssen Klärschlamm zunehmend regulatorisch sauber verwerten und gleichzeitig Phosphor als wichtigen Rohstoff zurückgewinnen. Wir wollen diesen Entsorgungsstrom in ein planbares Infrastrukturmodell überführen.
Im Kern entwickeln wir sogenannte Energy-Campus-Projekte. Dort soll Klärschlamm übernommen, getrocknet, pelletiert, thermisch verwertet und perspektivisch auch zur Rückgewinnung von Phosphor genutzt werden. Daraus entstehen mehrere mögliche Erlösquellen: Entsorgungs- bzw. Contracting-Gebühren, Energieerlöse aus Strom und Wärme, die Verwertung von Klärschlamm-Pellets sowie künftig zusätzliche Produkt- und Rohstofferlöse. Wir betrachten Klärschlamm nicht als Abfall, sondern als Ausgangspunkt für Infrastruktur, Energie und Rohstoffsicherung.

GBC AG: Was ist aus Ihrer Sicht der wesentliche Markttrend, der EverYield unterstützt?

Mario Mildner: Der Markt wird vor allem durch Regulierung getrieben. In Europa steigt der Druck, Klärschlamm nicht mehr einfach zu deponieren oder unstrukturiert zu entsorgen, sondern thermisch zu verwerten und Phosphor zurückzugewinnen. Gleichzeitig stehen viele Kommunen vor der Herausforderung, dass sie diese Infrastruktur nicht vollständig selbst entwickeln, finanzieren und betreiben wollen oder können.

Das schafft einen Markt für professionelle Infrastrukturpartner. EverYield will hier genau ansetzen: Wir bieten keine reine Entsorgungsdienstleistung, sondern ein strukturiertes Infrastruktur- und Contracting-Modell. Für Kommunen bedeutet das Planbarkeit, regulatorische Erfüllung und eine langfristige Lösung. Für Investoren entsteht dadurch ein Geschäftsmodell, das weniger von klassischen Konjunkturzyklen abhängig ist, sondern von langfristigen gesetzlichen und infrastrukturellen Anforderungen.

GBC AG: Welche Rolle spielt die Pelletierung im Geschäftsmodell?

Mario Mildner: Die Pelletierung ist ein zentraler technologischer Baustein. Klärschlamm ist in seiner ursprünglichen Form schwer handhabbar, schwer lagerbar und logistisch anspruchsvoll. Durch Trocknung und Pelletierung soll daraus ein standardisiertes, transportfähiges und energetisch nutzbares Produkt entstehen.

Damit wird aus einem Entsorgungsproblem ein verwertbarer Energieträger und zugleich die Grundlage für weitere stoffliche Nutzung, insbesondere für die Phosphorrückgewinnung. Die Pellets können innerhalb des eigenen Energy-Campus-Konzepts eingesetzt oder, sofern wirtschaftlich sinnvoll, auch extern an kommunale, industrielle oder energetische Abnehmer vermarktet werden. Dadurch entsteht ein flexibles Modell, das interne Nutzung und externe Vermarktung miteinander verbinden kann. Wir sehen die Pelletierung als Schlüsseltechnologie, durch die Klärschlamm lagerfähig, transportfähig, energetisch nutzbar und stofflich weiterverwertbar werden soll. 

GBC AG: EverYield befindet sich noch in einer frühen Unternehmensphase. Welche Managementkompetenzen bringen Sie und das Team für die Umsetzung mit?

Mario Mildner: Das ist ein wichtiger Punkt, weil das Modell nur funktioniert, wenn Kapitalmarktverständnis, Projektentwicklung, öffentliche Infrastruktur, Energie- und Industriekompetenz zusammenkommen. Mein eigener Hintergrund liegt insbesondere in Immobilien-, Projekt- und Beteiligungsstrukturen. Das ist für den Aufbau einer Plattform sehr relevant, weil Standorte gesichert, Projekte strukturiert, Finanzierungslösungen entwickelt und langfristige Partner eingebunden werden müssen.

Gleichzeitig bauen wir die Managementstruktur gezielt aus. EverYield ist kein Ein-Mann-Projekt, sondern wird als skalierbare Plattform mit klaren Verantwortlichkeiten, industriellen Partnern und professioneller Projektsteuerung aufgebaut. Derzeit bin ich noch das einzige Vorstandsmitglied und bringe mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Immobilienwirtschaft mit Fokus auf Projektentwicklung, Akquisition und Finanzierungsstrukturierung ein.

Mit Wirkung zum 1. September 2026 wurden zudem Florian Wurz und Mag. Christoph Kaltenbacher zu weiteren Vorstandsmitgliedern bestellt. Florian Wurz war über viele Jahre Vorstand im Raiffeisen-Dachverband und verantwortete dabei die Zusammenarbeit mit mehr als 300 selbstständigen Raiffeisenbanken, über 1.800 Bankstellen in Österreich, acht Raiffeisen-Landeszentralen sowie rund 24.700 Mitarbeiter:innen. Darüber hinaus verfügt er über umfassende Erfahrung in den Bereichen Projektentwicklung, Immobilien, Digitalisierung und Projektmanagement.

Mag. Christoph Kaltenbacher bringt umfassende Expertise in den Bereichen Energie, Konzernfinanzierung, Controlling sowie großvolumige Wind- und Photovoltaikfinanzierungen mit.

GBC AG: Warum wird zur Finanzierung eine Anleihe eingesetzt und wofür sollen die Mittel verwendet werden?

Mario Mildner: Die Anleihe passt aus unserer Sicht zur Natur des Geschäftsmodells. Wir entwickeln reale Infrastruktur mit langfristigem Charakter. Dafür braucht es in der Anfangsphase Kapital für Standortakquisition, Projektentwicklung, technische Planung, Genehmigungsprozesse, Aufbau der Plattform und die Vorbereitung der ersten Energy-Campus-Projekte.

Die Anleihemittel sollen also nicht für ein abstraktes Wachstumsthema verwendet werden, sondern für den Aufbau einer konkreten Infrastrukturplattform. Geplant ist insbesondere die Startfinanzierung für erste Standorte und die frühe Entwicklung der Energy-Campus-Infrastruktur. Mit zunehmender Reife der Projekte soll daraus eine Basis entstehen, die später projektfinanzierungsfähig, refinanzierungsfähig und für institutionelle Infrastrukturinvestoren interessant werden kann.

Die Fremdkapitalfinanzierung soll nicht isoliert stehen. Neben der Anleihe ist ein substanzielles Eigenkapital-Commitment vorgesehen. Die Alleingesellschafterin hat eine Barkapitalerhöhung über 10 Mio. € zugesagt, deren gesellschaftsrechtliche Umsetzung nach den Prospektangaben im Gange ist. Dieses Eigenkapital ist aus unserer Sicht ein wichtiges Signal, weil es zeigt, dass das Projekt auch von der Gesellschafterseite substanziell getragen wird. 

GBC AG: Erzielt EverYield heute bereits operative Umsätze? Und wann rechnen Sie mit ersten Erlösen aus dem operativen Modell?

Mario Mildner: Das potenzielle Projekt Steiermark wird in unserer Modellrechnung separat betrachtet, da dort bereits eine Photovoltaikanlage sowie eine Holzgas-Erzeugungsanlage bestehen. Für diesen Standort wird ein jährlicher Umsatzbeitrag von rund 11 Mio. € angesetzt. Die Umsätze der Jahre 2026 und 2027 reflektieren daher primär den potenziellen Beitrag des Standorts Steiermark.

Darüber hinaus befindet sich EverYield aktuell noch in der Aufbau- und Projektentwicklungsphase. Wesentliche operative Umsätze aus dem standardisierten Energy-Campus-Modell erwarten wir nach aktueller Planung ab 2028, sobald weitere Projekte schrittweise in Betrieb gehen. Bis dahin liegt der Fokus auf Projektentwicklung, Genehmigungen, Finanzierung und dem Aufbau der Plattform.

GBC AG: Was sollten Investoren in den kommenden 12 bis 24 Monaten besonders beobachten?

Mario Mildner: Die wichtigsten Meilensteine liegen in der Konkretisierung der Projektpipeline. Entscheidend wird sein, welche Standorte gesichert werden können, welche Genehmigungs- und Vertragsfortschritte erzielt werden und wie die technische sowie finanzielle Struktur der ersten Energy-Campus-Projekte final ausgestaltet wird.

Für Investoren sind aus unserer Sicht vier Punkte zentral: Erstens die Umsetzung des Eigenkapital-Commitments, zweitens der erfolgreiche Aufbau der Projektgesellschaften und Standorte, drittens belastbare Vertragsstrukturen mit Kommunen, Partnern und Abnehmern, und viertens der Fortschritt Richtung Bau und Inbetriebnahme der ersten Anlagen.

Wir sehen EverYield als langfristiges Infrastrukturthema. Der Investment Case entsteht nicht über kurzfristige Projektumsätze, sondern über den Aufbau wiederholbarer, regulierungsgetriebener Cashflows. Wenn es gelingt, die ersten Anlagen erfolgreich umzusetzen und daraus ein standardisierbares Modell abzuleiten, entsteht die eigentliche Plattformlogik: aus Klärschlamm wird Energie, aus Energie wird Infrastruktur und aus Infrastruktur wird langfristiger Unternehmenswert.

GBC AG: Herr Mildner, zum Abschluss: Warum kann die EverYield-Anleihe aus Ihrer Sicht für Investoren attraktiv sein?

Mario Mildner: Die Anleihe verbindet aus unserer Sicht drei Elemente, die in dieser Kombination im aktuellen Marktumfeld interessant sind: eine attraktive laufende Verzinsung in Höhe von 9,0 % p.a., ein realwirtschaftlich unterlegtes Infrastrukturthema und einen Markt, der nicht primär durch kurzfristige Konjunkturzyklen, sondern durch Regulierung und strukturellen Investitionsbedarf geprägt ist.

Investoren finanzieren mit der Anleihe den Aufbau der ersten Energy-Campus-Projekte und damit die Transformation eines heute häufig belastenden Entsorgungsstroms in eine nutzbare Infrastruktur-, Energie- und Rohstofflösung. Die wirtschaftliche Grundlogik basiert auf mehreren möglichen Erlösquellen: Entsorgungs- bzw. Contracting-Gebühren als Basiscashflow, ergänzende Energieerlöse, die Verwertung von Klärschlamm-Pellets sowie perspektivisch die Rückgewinnung und Vermarktung von Phosphor.

Attraktiv ist zudem, dass die geplante Finanzierung nicht isoliert steht. Neben der Anleihe ist ein substanzielles Eigenkapital-Commitment vorgesehen. Zudem zeigen die Unterlagen ein bereits indikatives Investoren-Commitment in Höhe von 6 Mio. €, was rund 20 % des geplanten Emissionsvolumens entspricht. Aus unserer Sicht ist das ein wichtiges Signal, weil es die frühe Marktvalidierung des Investment Case unterstützt. 

Gleichzeitig wollen wir transparent bleiben. EverYield befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase. Die Anleihe ist daher keine klassische Bestandsinfrastruktur-Anleihe mit bereits laufenden operativen Cashflows, sondern eine entwicklungsorientierte Infrastrukturfinanzierung. Genau dafür bietet der angestrebte Zinssatz aus unserer Sicht eine angemessene Renditekomponente. Für Investoren, die ein regulatorisch getriebenes Infrastrukturthema mit klarer Skalierungslogik, realen Assets und langfristigem Marktbedarf suchen, kann die Anleihe daher eine interessante Beimischung im Bereich Unternehmens- und Infrastrukturanleihen darstellen.

GBC AG: Vielen Dank für das Interview.

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