Im Juni 2026 ist der Baukonzern Hochtief erstmals in den DAX aufgestiegen. Glück hat dies weder dem Unternehmen, noch seinen Aktionären gebracht. Denn just seit dem offiziellen Aufnahmetermin am 22. Juni ging es mit der Aktie um gut 18 Prozent nach unten. Aberglaube ist jedoch fehl am Platz: Der Rückgang dürfte andere Gründe haben.
Hochtief ist operativ breit aufgestellt. Die Infrastrukturprojekte der Essener reichen vom Verkehrswesen über die Energieversorgung bis hin zur Verteidigung. Treiber ist aber die US-Tochter Turner. Die profitiert nämlich von den Investitionen der US-Regierung in den Bau von KI-Rechenzentren und hat hierfür diverse Aufträge an Land gezogen.
Das spiegelt sich in den Zahlen von Hochtief wider: In der ersten Jahreshälfte 2026 kletterte der Konzernumsatz um 10 Prozent auf 20,1 Mrd. Euro. 70 Prozent davon entfallen auf die Tochter Turner. Der operative Konzerngewinn kam sogar um 35 Prozent auf 480 Mio. Euro voran. Das Highlight zum Halbjahr war allerdings der Auftragseingang, der um 25 Prozent auf 31,5 Mrd. Euro kletterte. Das wiederum führte zu einem Rekord-Auftragsbestand von 84,8 Mrd. Euro. Zur besseren Einordnung: Der Jahresumsatz 2025 von Hochtief lag bei 38,2 Mrd. Euro. Folglich wurden die Ziele für das Gesamtjahr angehoben: Der operative Konzerngewinn soll nun um 30 bis 40 Prozent (zuvor. 20 bis 30 Prozent) zulegen.
Doch wieso ist die Aktie dann aus dem Tritt gekommen? Nun, da die Geschäftszahlen von Hochtief durch die Aufträge für KI-Rechenzentren getrieben werden, ist das Papier in gewisser Weise von der Stimmung bei Halbleiter- und KI-Aktien abhängig. Und da kam es im Juni und Juli zu einer kräftigen Korrektur. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Bewertung von Hochtief den fundamentalen Daten etwas vorausläuft. Zwar klaffen Plan und Ist nicht so weit auseinander, wie bei vielen Chip-Aktien, dennoch ist ein aktuelles KGV von 30 kein Schnäppchen.
Dafür läuft die Akquise-Maschine bei Hochtief auf Hochtouren. Statt vager Zukunftsfantasie bietet das Unternehmen greifbare und kalkulierbare Aufträge. Außerdem muss der Kursrückgang seit DAX-Aufnahme etwas relativiert werden: Die Aktie hat vom Jahresbeginn bis zum DAX-Aufnahmetermin im Juni um knapp 60 Prozent zugelegt. Somit steht bis heute noch immer ein Plus von knapp 30 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Der DAX hat im Börsenjahr 2026 bislang nur knapp 7 Prozent zugelegt. Steigt die Stimmung im Technologiesektor wieder, sollte Hochtief davon profitieren.
(aktien-global.de, 19.08.2026, 10:50 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
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