Marinomed Biotech: Meilensteine im Blick - Vorstandsinterview

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Der GBC-Analyst Matthias Greiffenberger hat mit Andreas Grassauer, CEO der Marinomed Biotech AG, über die aktuelle operative Situation und die Werttreiber für das Unternehmen gesprochen.

GBC AG: Herr Dr. Grassauer, Marinomed hat zuletzt eine Kapitalmaßnahme erfolgreich abgeschlossen. Gleichzeitig war die Aktie zuletzt deutlich unter Druck. Wie ordnen Sie die aktuelle Situation aus operativer Sicht ein?

Andreas Graussauer: Kurzfristige Kursbewegungen können wir nicht kommentieren. Wichtig ist aus unserer Sicht aber: Operativ hat sich unsere Ausgangslage durch die jüngsten Schritte verbessert. Wir haben die Kapitalerhöhung erfolgreich abgeschlossen und damit einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der nächsten Meilensteine geleistet. Das stärkt nicht nur unsere Liquiditätsbasis, sondern auch unsere Position in laufenden Partnering-Gesprächen.

Unser Fokus bleibt klar: Wir wollen den Wert unserer Marinosolv®-Technologie über mehrere kommerziellen Wege heben – insbesondere über Budesolv, Tacrosolv und nun zusätzlich über das neue Geschäftsfeld Rezepturarzneimittel. Wir sehen daher keine operative Entwicklung, die unsere Strategie grundsätzlich infrage stellt. Im Gegenteil: Die Finanzierung, die fortgeschrittenen Gespräche mit potenziellen Partnern und die neue kurzfristige Umsatzoption im Rezepturbereich geben uns eine deutlich bessere Grundlage für die kommenden Monate.

GBC AG: Was bedeutet die abgeschlossene Kapitalmaßnahme konkret für Marinomed? Reicht die Finanzierung aus, um die nächsten Schritte umzusetzen?

Andreas Graussauer: Ja, die Kapitalmaßnahme war für uns ein sehr wichtiger und richtiger Brückenschritt. Wir konnten rund 2,23 Mio. Euro brutto einwerben und damit unser Mindestziel von 2 Mio. Euro übertreffen. Das ist aus unserer Sicht ein klares positives Signal und gibt uns zusätzlichen Handlungsspielraum für die Umsetzung der nächsten operativen und strategischen Schritte.

Die Mittel helfen uns, die Zeit bis zu möglichen Partnering-, Service- und Meilensteinzahlungen zu überbrücken. Besonders wichtig ist dabei, dass wir in Verhandlungen über hochwertige Assets wie Budesolv und Tacrosolv nicht aus einer kurzfristigen Finanzierungsschwäche heraus agieren müssen. Die Kapitalmaßnahme stärkt daher unsere Verhandlungsposition und unterstützt uns dabei, den Wert unserer Produktkandidaten bestmöglich zu realisieren.

GBC AG: Budesolv ist eines der wichtigsten Assets von Marinomed. Wo steht das Projekt aktuell und welche Meilensteine sind hier entscheidend?

Andreas Graussauer: Budesolv bleibt einer unserer zentralen Werttreiber. Es handelt sich um einen post-Phase-3-Produktkandidaten auf Basis unserer Marinosolv®-Technologie. Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass Budesolv den Wirkstoff Budesonid vollständig solubilisiert und dadurch eine verbesserte Bioverfügbarkeit sowie einen schnelleren Wirkeintritt ermöglicht. In der klinischen Entwicklung konnten wir zeigen, dass Budesolv nach der ersten Anwendung eine schnelle Symptomlinderung bei allergischer Rhinitis erzielen kann.

Strategisch verfolgen wir zwei parallele Wege: Einerseits arbeiten wir an der Einreichung in der Schweiz, die als Referenzmarkt für weitere Länder dienen kann. Andererseits führen wir Partnering-Gespräche für Europa, Asien, MENA, die USA und weitere Regionen. Aus unserer Sicht ist Budesolv ein sehr differenziertes Produkt in einem großen Markt, weil es bekannte Wirkstoffe mit einer verbesserten Darreichungsform und klaren Patientenvorteilen verbindet.

GBC AG: Neben Budesolv steht auch Tacrosolv im Fokus. Welche Bedeutung hat dieses Programm für Marinomed?

Andreas Graussauer: Tacrosolv ist unser zweites wichtiges Marinosolv®-basiertes Entwicklungsprogramm und adressiert ophthalmologische Entzündungsindikationen. Das Produkt basiert auf Tacrolimus, einem sehr wirksamen, aber schwer löslichen Wirkstoff. Durch Marinosolv® können wir Tacrolimus vollständig solubilisieren und damit eine ophthalmische Formulierung mit sehr niedriger Dosierung ermöglichen.

Wir sehen hier ein attraktives Potenzial, insbesondere weil es in der Augenheilkunde weiterhin einen hohen Bedarf an wirksamen, gut verträglichen und steroid-sparenden Therapien gibt. Tacrosolv befindet sich in Partnering-Gesprächen, und unser Ziel ist es, die weitere klinische Entwicklung gemeinsam mit einem geeigneten Partner voranzutreiben. Damit bleibt Tacrosolv ein wesentlicher Bestandteil unserer Wertschöpfungsstrategie.

GBC AG: Marinomed hat zusätzlich den Einstieg in Rezepturarzneimittel angekündigt. Warum ist dieses neue Geschäftsfeld strategisch wichtig?

Andreas Graussauer: Der Einstieg in den Bereich Rezepturarzneimittel ist für uns strategisch sehr sinnvoll, weil wir damit unsere Marinosolv®-Technologie in ein zusätzliches, kurzfristiger monetarisierbares Geschäftsmodell überführen können. Rezepturarzneimittel werden individuell für Patienten hergestellt, etwa wenn Standardprodukte nicht geeignet, nicht verfügbar oder nicht ausreichend flexibel dosierbar sind.

Mit Marinosolv® können wir Apotheken und spezialisierten Partnern standardisierte, reproduzierbare und technologisch anspruchsvolle Formulierungslösungen anbieten – insbesondere bei schwer löslichen Wirkstoffen. Erste Umsätze erwarten wir für das vierte Quartal 2026 beziehungsweise Anfang 2027. Unser Ziel ist es, dieses Servicegeschäft so auszubauen, dass es künftig einen wesentlichen Beitrag zur Deckung unserer laufenden Betriebskosten leisten kann.

Für Marinomed ist das ein wichtiger Schritt: Wir bleiben ein technologiegetriebenes Biotech-Unternehmen, schaffen aber zusätzlich einen kommerziellen Weg mit kürzerem Zeithorizont. Das reduziert die Abhängigkeit von einzelnen großen Partnering- oder Meilensteinereignissen und macht unser Geschäftsmodell robuster.

GBC AG: Vielen Dank für das Interview.

 

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