Media and Games Invest: Kapitalerhöhung war dreifach überzeichnet - Vorstandsinterview

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Die GBC-Analysten Marcel Goldmann und Cosmin Filker haben mit Herrn Paul Echt, CFO der Media and Games Invest plc, über die jüngste Privatplatzierung im Rahmen eines Dual-Listings an der Stockholmer Börse Nasdaq Nordic und die weiteren Aussichten des Unternehmens gesprochen.

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GBC AG: Herr Echt, was waren die Beweggründe für ein Dual-Listing an der Stockholmer Börse Nasdaq Nordic und welche Effekte erwarten Sie in Bezug auf den Handel (Liquidität) und die Sichtbarkeit ihrer Aktie? Lassen sich bereits jetzt schon erste positive Effekte erkennen?

Herr Echt: Das lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. Wenn wir die erste Handelswoche nach dem Listing ausblenden, auf Grund außergewöhnlich hoher, transaktionsbedingter Volumina von bis zu 5 Millionen Euro am Tag, und uns nur die Umsätze seit Beginn der zweiten Handelswoche angucken, sehen wir, dass das Volumen bei durchschnittlich rund 1,0 Millionen Euro täglich liegt, während das Handelsvolumen im gesamten September (vor dem Dual Listing) noch bei durchschnittlich rund 163.000 Euro lag. Das liegt daran, dass sich an der Nasdaq Stockholm in den vergangenen Jahren ein starkes Gaming Cluster entwickelt hat. Dazu zählen erfolgreiche Firmen wie Embracer, Stillfront oder Paradox, deren Aktienkurse in den vergangen drei Jahren zwischen 230% und 1.117% gestiegen sind. Gaming gehört dort zu den heißesten Themen am Kapitalmarkt und viele Investoren sind mit den Geschäftsmodellen und den starken Wachstumsprognosen des Marktes sehr vertraut. Das trifft auf die institutionellen Investoren zu genauso wie auf die Privatanleger und entsprechend stark war auch unsere Kapitalerhöhung fast dreifach überzeichnet. Aber auch international, wie beispielsweise in UK oder den USA, steigt die Wahrnehmung der MGI durch das Listing an der Nasdaq Nordic deutlich an. Das liegt daran, dass viele Investoren die Nasdaq Nordic als internationalen Marktplatz für erfolgreiche Gaming Firmen erkannt haben.

GBC AG: Im Rahmen der Privatplatzierung konnten rund 29 Mio. € an Investorengeldern eingeworben werden. Laut Medienberichten sollen sich an der Kapitalmaßnahme auch erstmals sehr namhafte Investoren aus dem Gaming-Sektor beteiligt haben. Sind künftig weitere eigenkapitalbasierte Kapitalmaßnahmen möglich, um das hohe „Wachstumstempo“ des Unternehmens nochmals zu steigern?

Herr Echt: Durch das parallel umgesetzte Dual Listing am Nasdaq konnten wir einige „Tier-1 and long only“-Investoren für uns gewinnen, da das Thema Gaming, wie schon erwähnt, auf dem schwedischen aber auch dem internationalen Kapitalmarkt sehr bekannt und beliebt ist. Zu den Zeichnern zählen aber auch Investoren, die schon seit der Kapitalerhöhung von 2019 an Bord sind, ihre Holdings jetzt aber nochmal deutlich ausgebaut haben, was wir als sehr hohen Vertrauensbeweis empfinden. Aktuell sind keine weiteren Eigenkapitalmaßnahmen geplant. Generell werden wir diese Option für die Zukunft aber nicht ausschließen, sofern es sinnvoll ist und unterm Strich zu einem Mehrwert für die Aktionäre führt.

GBC AG: Ihr Konzern verfolgt allgemein eine wachstumsorientierte Unternehmensstrategie. Bitte erläutern Sie uns kurz Ihren aktuellen strategischen Fokus und welche Rolle die zuletzt durchgeführte Kapitalmaßnahme im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie spielt?

Herr Echt: Wir sind ein Wachstumsunternehmen und investieren entsprechend stark, um möglichst schnell möglichst groß zu werden - ohne dabei die Profitabilität aus den Augen zu verlieren - und setzen daher neben organischem Wachstum auch auf Wachstum durch M&A. In den ersten Jahren zwischen 2014 und 2017 haben wir fast ausschließlich auf anorganisches Wachstum gesetzt. Gerade auf dem sehr dynamischen und umkämpften Gaming-Markt ist es wichtig, eine kritische Größe zu erreichen, um von Skaleneffekten zu profitieren. Multiplayer-Spiele leben wie der Name schon sagt davon, dass sie von mehreren zehntausend Spielern gleichzeitig gespielt werden. Das erhöht den Spielspaß, lockt weitere Spieler an und verlängert auch die Lebensdauer jedes einzelnen Spielers. Zusätzlich kann man auch neue Spiele erfolgreicher veröffentlichen, wenn man dies auf einer Plattform macht, auf der monatlich über fünf Millionen Spieler aktiv sind. Wie schon erwähnt ist uns dabei wichtig, dass die Profitabilität nicht verloren geht und wir am Ende unter dem Strich auch ein positives Ergebnis zeigen. Dieser Spagat ist uns in den vergangenen Jahren sehr gut gelungen, in dem wir Firmen und Assets akquirieren die über funktionierende Spiele und Spieler-Communities verfügen und nach erfolgreicher Integration in unsere Plattform durch Synergieeffekte deutlich profitabler weiterbetrieben werden können. In gleicher Weise werden wir auch einen großen Teil der Erlöse aus der jetzigen Kapitalerhöhung verwenden und somit weitere substanzielle Werte für die Aktionäre schaffen.

GBC AG: Im August hat MGI überzeugende Halbjahreszahlen für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahr 2020 verkünden können und zugleich seine bisherige Unternehmensguidance angehoben. Im Rahmen des bisherigen Geschäftsverlaufs konnte das Unternehmen sogar von der Corona-Krise profitieren, vor allem dank des starken Traditionsgeschäfts (Online-Games). Wird der Konzern mit seinem starken Fokus auf Gaming und seinem ergänzenden Geschäftsbereich Medien auch zu den langfristigen Profiteuren der Corona-Problematik gehören?

Herr Echt: Auch hierzu wieder ein klares Ja. Die Eindämmungsmaßnahmen im Frühjahr haben zu einem deutlichen Anstieg neuer Spieler von bis zu 75% innerhalb unserer Spiele geführt. Es gab viele die uns gefragt haben, ob es sich dabei nur um einen einmal Effekt handelt, der nicht langfristig wirkt. Erste Zahlen deuten aber auf einen langfristigen Effekt hin, denn ein großer Teil dieser Spieler ist noch heute aktiv. Das liegt daran, dass der Kern unseres Spieleportfolios aus Multiplayer-Spielen besteht. Diese Spiele sind meist kostenlos und werden wie schon gesagt von vielen tausenden Spielern gleichzeitig gespielt. Im Spiel tun sich die Spieler dann zusammen und gründen Gilden oder Clans und nehmen an Wettkämpfen teil, durch die sie die Fähigkeiten ihres Charakters verbessern, und können diesen auch durch den Kauf von sogenannten In-Game Items individualisieren. Die Spiele sind somit in gewisser Weise auch eine soziale Plattform und verfügen über eine sehr hohe Kundenbindung. Einige unserer Spiele sind über 10 Jahre alt und erzielen mehr als 50% ihrer Umsätze mit Spielern, die schon länger als 5 Jahre in dem Spiel sind. Wenn ein Nutzer sich dazu entscheidet, eines unserer Spiele zu spielen, ist die Wahrscheinlichkeit also auch entsprechend hoch, dass er dies über einen sehr langen Zeitraum tut.

GBC AG: Was können die Anleger und Investoren im laufenden Geschäftsjahr von der MGI-Gruppe erwarten (Ausblick)?

Herr Echt: Das dritte Quartal ist, trotz der heißen Sommermonate, gut gelaufen und auch im vierten Quartal haben wir einen guten Start hingelegt. Möglichen Verschärfungen der Eindämmungsmaßnahmen sehen wir aus wirtschaftlicher Perspektive entspannt entgegen, da die Gamingbranche im allgemeinen sehr krisenresistent ist, sowohl im Falle von Corona als auch im Falle von wirtschaftlichen Schwächephasen. Im Mediensegment haben wir aus den Erfahrungen im Frühjahr gelernt. Hier hat sich gezeigt, dass die Kunden aus dem Offlinebereich in Folge von Corona ihre Budgets stark reduziert haben, während die Kunden aus dem Onlinebereich ihre Budgets hochgefahren haben. Auf Grund unseres stark auf den Onlinebereich ausgerichteten Kundenstamms sind wir, im Vergleich zu vielen Wettbewerbern, schon im Frühjahr sehr gut durch die Krise gekommen und konnten weiterwachsen. Diesen Aspekt haben wir uns in den vergangenen Monaten zu Nutze gemacht und unseren Kundenstamm noch stärker auf den Onlinebereich ausgerichtet und konnten vor allem einige große Kunden und Partner wie bspw. Zynga aus der Gamingbranche für uns gewinnen.

GBC AG: Wo sehen Sie den MGI-Konzern in den kommenden drei bis fünf Jahren, insbesondere im Hinblick auf Geschäftsvolumen, bedeutende Geschäftsbereiche und Geschäftsregionen?

Herr Echt: Wir wollen in diesem Zeitraum weiterhin mit jährlich 25%-30% im Umsatz wachsen und eine EBITDA-Marge von 25-30% erzielen. Dafür werden wir zukünftig verstärkt auf die Erhöhung des Anteils unseres organischen Wachstums setzen. Konkret heißt das, wir werden mehr Spiele pro Jahr launchen, verstärkt Sublizenzen eigener Spiele-IPs an Partner außerhalb unserer Kernmärkte, wie beispielsweise Asien vergeben und unser Mobile-Gaming-Geschäft weiter ausbauen. Gerade der letzte Punkt birgt großes Potenzial, da wir durch den Aufbau des Mediensegments über einen klaren Wettbewerbsvorteil in User-Akquisition verfügen. Klar ist aber, dass wir neben dem Fokus auf organisches Wachstum auch weiter über M&A wachsen wollen.

GBC AG: Herr Echt, vielen Dank für das Gespräch.

FAZIT GBC: Insgesamt sehen wir MGI gut positioniert, um den dynamischen Wachstumskurs in beiden Wachstumsfeldern Gaming und Medien auch künftig weiter erfolgreich fortzusetzen. Auch die neu gewonnenen prominenten Investoren aus dem Gaming-Sektor untermauern unsere positive Einschätzung zur Gesellschaft und zu den Geschäftsperspektiven. Die von dem Unternehmen im Rahmen des Dual Listings eingeworbenen finanziellen Mittel bilden ein gutes Fundament für weiteres Wachstum und eröffnen zusätzlich die Chance das Wachstumstempo durch gezielte M&As nochmals wesentlich zu erhöhen.

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