Unicredit Kolumne

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„Ohne Plan läuft nichts!“

25.11.2015

Traden will gelernt sein. Das onemarkets Magazin sprach mit dem erfahrenen Bo?rsenexperten und Trading-Pro Adrian Schmid u?ber seinen Handelsstil, sein Risikomanagement und u?ber die Notwendigkeit, einen Trading-Plan zu haben.

onemarkets Magazinonemarkets: Wie ist Ihre Einscha?tzung fu?r das kommende Jahr? Schließlich steht die US-Wahl an und die US-Notenbank Fed ko?nnte die Zinswende einla?uten.

Adrian Schmid: Fundamentale Ereignisse interessieren uns im Prinzip nicht. Wir arbeiten mit einer asymmetrischen Gewinnverteilung. Dazu versuchen wir einen Marktvorteil zu generieren, indem wir stets in Richtung des Trends handeln. Wir sind also Trendfolger und handeln stets die Sta?rke in den jeweiligen Ma?rkten. Ausgangspunkt ist der mittelfristige Trend auf Wochenbasis. Das heißt: Weist der Trend nach oben, handeln wir nur Long-Produkte. Zeigt der mittelfristige Trend nach unten, kaufen wir entsprechend nur Short-Produkte.

onemarkets: Im Prinzip haben Sie beim Kauf einer Aktie oder eines Hebelprodukts immer eine 50:50-Chance, dass Sie gewinnen. Wie erho?hen Sie Ihre Chancen?

Schmid: Ein Trend wird selten in einem Zug gebrochen. Solange der mittelfristige Trend intakt ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung der Aufwa?rtsbewegung tendenziell gro?ßer als die Trendumkehr. Das machen wir uns zunutze.

onemarkets: Das klingt relativ simpel.

Schmid: Ist es aber nicht. Jede Aktie hat einen speziellen Charakter. Das bezieht sich vor allem auf Umsatz und Volatilita?t*. Je kleiner der ta?gliche Bo?rsenumsatz und je schwankungsfreudiger die Aktie ist, umso ho?her ist das Risiko. Ich trade bereits seit u?ber 20 Jahren und habe eine entsprechende Erfahrung. Daher konzentriere ich mich meistens auf große Titel. Sie zeigen einen relativ stabilen Auf- oder Abwa?rtstrend. Der ju?ngste Knick bei Volkswagen war schon eher die Ausnahme. Angesichts der hohen Umsa?tze ist die Wahrscheinlichkeit gro?ßerer Kursbewegungen durch „plo?tzlich“ auftretende Ka?ufe oder Verka?ufe relativ gering. Im Gegensatz zu vielen anderen Tradern vermeide ich nach Mo?glichkeit, die Aktie am Tag der Vero?ffentlichung der Quartalszahlen zu halten. Selbst bei Werten wie Apple sind gro?ßere Kurslu?cken zur Ero?ffnung immer wieder zu beobachten. Dieses Risiko versuche ich zu umgehen.

onemarkets: Wie spu?ren Sie Trends auf?

Schmid: Charles Dow hat vor rund 120 Jahren die Theorie entwickelt, wonach eine Reihe ho?herer Hochs und ho?herer Tiefs einen Aufwa?rtstrend bilden. Sackt die Aktie oder der Index hingegen unter das vorangegangene Tief ab und liegen die neuen Hochs stets unterhalb des vorangegangenen Hochs, sprechen Bo?rsianer von einem Abwa?rtstrend. Daran hat sich im Prinzip bis heute nichts gea?ndert. Anleger mu?ssen sich also nur einen Chart ansehen – egal in welcher Zeiteinheit. Meist sehen sie schon auf einen Blick, ob eine Aktie oder ein Index einem Aufwa?rts- oder Abwa?rtstrend folgt.

onemarkets: Auf welche Indikatoren achten Sie noch?

Schmid: Egal ob Oszillatoren wie der Relative Sta?rke Index oder Trendfolgeindikatoren – sie sind vergangenheitsorientiert. Alle fu?r mich wichtigen Informationen bekomme ich aus dem aktuellen Preis. Wir arbeiten also prima?r mit sogenannten Trendcharts und Signalcharts. Am Trendchart ko?nnen wir ablesen, ob die Aktie tendenziell steigt oder fa?llt. Meist arbeiten wir hier mit Wochencharts und dieser Trend bestimmt, ob ich in die Aktie oder den Index long oder short gehe. Das heißt: Eine Aktie, die sich mittelfristig abwa?rtsbewegt, werde ich nicht kaufen. Um passende Ein- und Ausstiegsmo?glichkeiten zu bestimmen, betrachten wird meist den jeweiligen Tages- oder 4-Stunden-Chart. In diesem Zeitfenster ko?nnen wir die Auf- und Abwa?rtsbewegungen innerhalb eines Trends detaillierter analysieren. Dabei werten wir ta?glich eine Vielzahl von Aktien in Deutschland, Europa und vor allem in den USA aus. Ergeben sich Kaufsignale, beispielsweise durch einen Ausbruch u?ber das zuru?ckliegende Hoch, steigen wir ein.

onemarkets: Die hohe Kunst des Tradens zeigt sich nicht nur im Kauf, sondern auch im Verkauf.

Ich kenne keinen Investor, der ohne Plan gewinnt und vor allem schwierigere Phasen ohne gro?ßere Verluste u?bersteht.

Schmid: Richtig! Wir verfolgen daher einen klaren Risikomanagementplan. Grundsa?tzlich gehen wir nur Trades ein, die ein Chance-Risiko-Verha?ltnis von mindestens 3 zu 1 aufweisen. Das heißt: Wenn ich bereit bin, 1.000 Euro bei einem Trade zu verlieren, muss die Gewinnchance mindestens bei 3.000 Euro liegen. Andernfalls lassen wir die Finger davon. Ohne Risikomanagement und Handelsplan hat kein Trader die Chance, nachhaltig Gewinne zu erzielen. Ich kenne keinen Investor, der ohne Plan gewinnt und vor allem schwierigere Phasen ohne gro?ßere Verluste u?bersteht. 95 Prozent der kurzfristigen Spekulanten verlieren genau aus diesen Gru?nden. Erfolgreiche Trader agieren hingegen wie Piloten und haben fu?r jeden Fall eine Checkliste, die sie abarbeiten. Verluste geho?ren an der Bo?rse zum Gescha?ft. Sie sind auch nicht das Problem. Grundlage eines jeden Trading-Plans muss also sein, die Verluste in jeder Position zu begrenzen. Wir haben auch immer feste Gro?ßen pro Trade. Die Unsitte, den Einsatz zu verdoppeln, um Verluste wieder wettzumachen, gibt es bei uns nicht.

onemarkets: Wie sieht ein optimaler Trading-Plan aus?

Schmid: Eine pauschale Antwort gibt es dazu nicht, denn jeder Anleger ist unterschiedlich. Aber a?hnlich wie beim ja?hrlichen Check beim Arzt sollten Anleger sich selbst regelma?ßig u?berpru?fen: Dazu za?hlen zum Beispiel die Fragen, welche Motivation sie mit dem Anlegen und Traden verfolgen, welches Risiko sie eingehen wollen, wie viel Zeit sie investieren ko?nnen und wie die gesamte Vermo?gensstruktur aussieht. Wenn ein Anleger sein Startkapital von 50.000 Euro in einem Jahr verdoppeln will, aber nur maximal fu?nf Prozent zu riskieren bereit ist, wird das nicht funktionieren. Der Trading-Plan wie der gesamte Vermo?gensaufbauplan sollten realistisch angelegt werden. Dazu za?hlt vor allem, eine Komfortzone fu?r das Risiko zu definieren. Sie bestimmt alles andere und Anleger sowie Trader sollten sich stets in dieser Komfortzone bewegen. Andernfalls sorgen Angst oder Gier fu?r Fehler. In unseren Schulungen beim Handelsbu?ro Berlin raten wir allen Einsteigern, erst einmal klein und behutsam anzufangen. Andernfalls droht ein Fiasko. Sie dru?cken einem 18-ja?hrigen Fahranfa?nger schließlich auch keine Ferrari-Schlu?ssel in die Hand, sondern geben ihm einen VW Polo. Damit kann er Erfahrung sammeln, sowohl bei scho?nem als auch bei schlechtem Wetter.

onemarkets: Herr Schmid, vielen Dank fu?r das Gespra?ch.

 

Adrian Schmid

Adrian-Schmidist Chefha?ndler beim Handelsbu?ro Berlin (www.handelsbuero-berlin.de). Der Bo?rsenexperte interessiert sich schon seit seiner Jugend fu?r den Wertpapierhandel. Nach erfolgreicher Eurex-Ha?ndlerpru?fung arbeitete er mehrere Jahre als Ha?ndler fu?r renommierte deutsche Wertpapierhandelsha?user. Er fu?hrte bereits gro?ßere Ha?ndlerteams und arbeitet derzeit auch als Portfoliomanager bei einem Schweizer Hedgefonds. Außerdem ist er seit April 2015 Chefredakteur bei „Profit Hunter“, einer Fachpublikation des FID Verlags.

Dies ist eine Werbemitteilung. Bitte beachten Sie die wichtigen Hinweise und den Haftungsausschluss.

Für Produktinformationen sind allein maßgeblich der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen. Alle Produktunterlagen und Informationen unter: www.onemarkets.de.

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Der Beitrag „Ohne Plan läuft nichts!“ erschien zuerst auf onemarkets Blog (HypoVereinsbank - UniCredit Bank AG).

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