Unicredit Kolumne

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Interview: Extrembergsteiger Alexander Huber über Angst im Grenzbereich!

12.12.2018

Extrembergsteiger Alexander Huber berichtet über Grenzerfahrungen und den Lohn der Angst.

Alexander Huber ist Extrembergsteiger und der eine Teil der weltberühmten „Huberbuam“. Im Gespräch mit dem onemarkets Magazin gewährt er einen faszinierenden Einblick in sein Leben. Auch Anleger können von dem 49-jährigen Oberbayer so einiges lernen. Etwa über den richtigen Umgang mit Risiken.

 

Onemarkets: Wann warst du das letzte Mal beim Klettern.

Alexander Huber:Das war tatsächlich gestern. Allein im November habe ich rund 25 Veranstaltungen . So nutze ich die wenige Tage, an denen nichts ist, draußen unterwegs zu sein. In der Natur zu sein, ist für mich ein gewisser Entspannungsmodus um für die Vortragswochen genug Energie zu tanken.

onemarkets: Sie haben Ihr Hobby zum Beruf gemacht. Wie kam das?

Huber: Ich stamme aus dem Alpenraum. Da lag es in gewisser Weise nahe, dass man bereits als Kind viel in den Bergen unterwegs ist. Ich habe allerdings nach dem Abitur Physik studiert und dafür auch ein gewisses Talent mitgebracht. Nach dem Diplom habe ich zunächst am Lehrstuhl für Meteorologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München angefangen. Mein Plan war es ursprünglich, meine wissenschaftliche Laufbahn voranzutreiben, in der Atmosphärenforschung tätig zu werden und als Wissenschaftler zur Neumayer-Station in die Antarktis zu reisen. Das war zunächst mein Ziel. Jedoch habe ich schnell begriffen, dass es sich zeitlich kaum vereinbaren lässt, seriöse Wissenschaft zu betreiben und gleichzeitig auf Weltniveau zu klettern. Irgendwann war eine Entscheidung fällig. Nachdem ich mein Studium bereits durch Vorträge über das Klettern finanzierte und die Honorare im Laufe der Zeit auch immer besser wurden, habe ich mich letztendlich für das Bergsteigen entschieden. Das war keine Entscheidung gegen die Wissenschaft, sondern für die Sache, für die ich wirklich brenne.

onemarkets: Gemeinsam mit Ihrem Bruder Thomas haben Sie sich im Laufe der Jahre immer neue – scheinbar kaum zu realisierende – Ziele gesetzt. Was treibt Sie jeden Tag dazu an?

Huber: Wenn man ein gewisses Talent für etwas mitbringt, macht man es gerne. Ich denke auch, dass Thomas und ich seit Jahrzehnten zu den kreativsten Geistern der internationalen Kletter- und Bergsteigerszene gehören. Wir sind beide belesen und können so herausfinden, wo welche Klettermöglichkeiten existieren. Gleichzeitig haben wir bereits früh erkannt, dass es verschiedene Spielarten des Kletterns gibt. Wer sie beherrscht, dem bieten sich viel mehr Möglichkeiten. Das sogenannte Freiklettern, bei dem nur die natürlichen Griffe ohne Hilfsmittel genutzt werden, erhöhte den Schwierigkeitsgrad. Und natürlich auch den Trainingsaufwand. Wer das Freiklettern beherrscht ist an den großen Bergen der Welt signifikant schneller. Neue Klettertrends zu entwickeln und sich damit neue Ziele zu setzen war und ist unser primärer Antrieb.

„Auch Anleger sollten mit Reserven arbeiten und Ausstiegsszenarien in petto haben. Andernfalls ist das Geld schnell weg.“

Alexander Huber, Tra?ger des Bayerischen Sportpreises in der Kategorie „Botschafter des bayerischen Sports“

onemarkets: Gibt es Berge, die nicht zu besteigen sind?

Huber: Mit gewissen Hilfsmitteln ist heute schon sehr viel möglich. Free Solo, das heißt ohne Seil und Sicherung, sind selbst in den Alpen viele Wände noch nicht geklettert. Das ist auch gut so, denn das bedeutet, dass es noch Möglichkeiten gibt, sich weiterzuentwickeln. Thomas und ich bewegen uns häufig an der Schnittstelle zwischen bereits Etabliertem und Neuland. Immer wenn man die Bereitschaft hat, diese imaginäre Linie zwischen dem Bekannten und dem noch Unbekannten zu überschreiten, gibt es neue Horizonte zu erobern. Dazu muss man jedoch den Willen mitbringen, am Limit zu operieren und den Willen haben, darüber hinauszugehen.

Onemarkets: Körperliche Fitness und das Know-How sind Voraussetzung, um die gesteckten Ziele zu erreichen, aber wie entscheidend ist die psychische Verfassung für das Gelingen?

Huber: Die psychische Verfassung ist die Triebfeder von allem. Du brauchst schließlich schon viel Energie, um überhaupt die Bereitschaft zu entwickeln zum Berg zu gelangen und es geht nur dann vorwärts, wenn du ein agiler Geist bist. Man merkt also: da gibt es neue Trends und Entwicklungen und du machst diese Entwicklungen auch mit. Das im Trading schließlich ähnlich. Auch hier gibt es immer wieder neue Tools und Entwicklungen. Auf diese muss man sich dann auch einlassen. Nur dann kann man vorne mitspielen und Erfolg haben.

onemarkets: Beim Trading geht es „nur“ um Geld. Sie spielen dagegen häufig mit Ihrem Leben. So sehen es zumindest oftmals Außenstehende. Haben Sie denn keine Angst?

Huber: Dieses Denken von außen „Der Typ ist wahnsinnig, so mit seinem Leben zu spielen“ ist auch ganz gesund. Das ist ein natürlicher Selbstschutz, denn beim Anblick der Bilder versetzt man sich unweigerlich in diese für einen selbst nicht machbare Situation. Was mich selbst betrifft, verhält es sich ganz anders. Ich habe viel Zeit und Energie darauf verwendet, um am Ende das Risiko genau einschätzen zu können. Das heißt aber nicht, dass ich keine Angst hätte. Angst ist unsere beste Lebensversicherung. Sie lenkt und leitet uns. Wenn ich nervös werde, dann meistens wegen bestimmter Umstände, die mir Unwohlsein bereiten. Das kann körperliche, psychische oder auch andere Gründe haben. Dieses Unwohlsein teilt mir mit, dass ich die Sache nicht so wirklich unter Kontrolle habe. Das löst Panik oder auch einfach nur Unsicherheit in mir aus und zwingt mich zum Umkehren. Fatal wäre es, dieses Gefühl zu ignorieren und einfach weiterzumachen. Das wäre der typische Hasardeur, der das Risiko ignoriert, den Kopf entweder in den Sand steckt oder mit etwas Glück überlebt oder stirbt. Hasardeure sind beim Bergsteigen noch nie weit gekommen.

onemarkets: Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es aber nicht, oder?

Huber: Das ist richtig. Daher operieren wir stets mit einer Sicherheitsreserve. Wenn ich in unbekanntem Terrain unterwegs bin und mit unvorhergesehenen Faktoren rechnen muss, brauche ich eine solche Reserve. Bei der Planung setzen wir uns auch stets potenzielle Umkehrpunkte.

onemarkets: Gab es Ziele, an denen Sie gescheitert sind, und wie haben Sie sich dabei gefühlt?

„Wer behauptet, seine Ziele stets erreicht zu haben, hat vermutlich niemals seine Wohlfu?hl- zone verlassen und etwas riskiert.“ Alexander Huber, Extremalpinist und Speedkletterer

Huber: Natürlich hatten wir Rückschläge. Das gehört zum Klettern dazu. Wer behauptet, seine Ziele stets erreicht zu haben, hat vermutlich niemals seine Wohlfühlzone verlassen und etwas riskiert. Er ist nie an seine Grenzen gegangen. Bei Grenzgängern sind Rückschläge und auch mal ein Scheitern vorprogrammiert. Sich einzugestehen, dass eine Mission heute oder überhaupt nicht möglich ist, ist kein Drama. In diesem Augenblick die Reißleine zu ziehen, abzubrechen und es gegebenenfalls zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal zu probieren, zeugt von Klugheit.

Onemarkets: Wie wichtig ist es, mit deinem Bruder einen vertrauensvollen Partner zu haben?

Huber: Zu einem gewissen Grad ist es schon Zufall, dass wir auf solch gleich hohen Niveau Klettern können. Einerseits sind wir zwar Brüder, andererseits dabei auch sehr verschieden. Das gilt für die Physis gleichermaßen wie für den Charakter. Aber genau deshalb funktioniert es auch! Denn eine gute Fußballmannschaft hat auch nicht nur Stürmer! Durch die Kombination verschiedener Spielertypen können Schwächen eliminiert und die verschiedenen Stärken kombiniert werden. Gemeinsam sind wir in der Lage Höchstleistung bei maximaler Sicherheit zu bringen. Gefahr lauert in erster Linie dort, wo wir uns nicht auskennen. Wir beide aber wissen schon sehr genau, was wir können und was nicht. Das sorgt für gegenseitiges Vertrauen.

onemarkets: Was können Sie als eine Person, die den Umgang mit Risiken gewohnt ist, Anlegern mit auf den Weg geben?

Huber: Die Finanzmärkte sind ein extrem volatiles Umfeld. Das bringt natürlich auch entsprechende Risiken mit sich. Nur wer sich kompetent auf diesem Terrain bewegt, kann halbwegs sicher agieren. Wer weiß, wie der Aktienmarkt und die verschiedenen Produkte funktionieren, kann beim Anlegen besser taktieren und somit möglicherweise eine höhere Rendite erzielen.

Man muss sich als Anleger den Risiken nicht zwingend stellen und kann das Geld sicher auf dem Sparbuch parken. Dadurch bringe ich mich allerdings auch um die Chancen, die zum Beispiel Aktien und Derivate bieten. Beim Bergsteigen ist es ähnlich. Wir erleben wunderschöne und prägende Momente in der Welt der Berge. Vorausgesetzt, dass ich mich in diese Welt begebe und die damit verbundenen Risiken in Kauf nehme. Es ist allerdings wichtig zu wissen: Wie habe ich mit den Risiken umzugehen. Denn gefährlich wird’s immer dann, wenn ich mich Gefahren aussetze, die ich weder kenne noch beherrsche.

onemarkets: Herr Huber, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Bildnachweis:

  • UniCredit
Wichtiger Hinweis:

Dies ist eine Werbemitteilung. Bitte beachten Sie die wichtigen Hinweise und den Haftungsausschluss.

Für Produktinformationen sind allein maßgeblich der Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen. Alle Produktunterlagen und Informationen unter: www.onemarkets.de.

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Der Beitrag Interview: Extrembergsteiger Alexander Huber über Angst im Grenzbereich! erschien zuerst auf onemarkets Blog (HypoVereinsbank - UniCredit Bank AG).

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