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sdm SE: Sicherheit ist ein Wachstumsmarkt - Vorstandsinterview

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Der GBC-Analyst Marcel Goldmann hat mit Oliver Reisinger, Vorstand der sdm SE, über den bevorstehenden Börsengang und die Zukunftsperspektiven des Unternehmens gesprochen.
GBC AG: Herr Reisinger, Sie kommen eigentlich aus dem Investmentbanking. Wie kam es zu der Übernahme von sdm im Jahr 2019?
Oliver Reisinger: Ich war 25 Jahre im Investmentbanking tätig – mehr als 10 davon in führenden Positionen. In dieser Zeit hatte sich die Branche massiv verändert und die Aufgaben haben mir am Ende einfach keinen Spaß mehr gemacht. Ich bin zahlengetrieben, aber als Grundlage für Weiterentwicklung und Wachstum. Eine solche Vorwärtsstrategie war nicht mehr möglich, daher der Schritt ins Unternehmertum. sdm passte dann 2019 perfekt zu mir. Das Unternehmen war gesund, seit der Gründung 1999 immer profitabel und am Markt etabliert, aber auch sehr hemdsärmelig. So kann ich mich seit der Übernahme auf die Weiterentwicklung konzentrieren. Dafür wurden zunächst interne Prozesse professionalisiert – beispielsweise durch die Einführung eines aktiven Controllings und modernen ERP Systems. Auch auf unrentablen Umsatz haben wir bewusst verzichtet, daher der Umsatzrückgang in 2019. Gleichzeitig haben wir den externen Markenauftritt geschärft und ein aktives Marketing eingeführt. So konnten wir auch in 2020 mit Corona und ohne das Großevent Oktoberfest profitabel wachsen und werden im laufenden Jahr daran anknüpfen.
GBC: Bevor wir zur aktuellen Entwicklung kommen, wie sieht sdm heute aus?
Oliver Reisinger: Heute ist sdm mit rund 300 Mitarbeitern einer der führenden Sicherheitsdienstleister in der Metropolregion München. Wir bieten ein breites Leistungsspektrum vom Werk- und Objektschutz, über Wert- und Geldtransporte bis hin zur Organisation von Veranstaltungen und effektivem Personenschutz. In 2020 haben sich mehr als 80 Bestands- und Projektkunden auf uns verlassen. Unser Stammgeschäft ist der Schutz von Behörden und kommunalen Einrichtungen. Mit ihnen haben wir zuletzt rund 80 % unserer Umsätze gemacht. Dieser Anteil erscheint im ersten Moment vielleicht hoch. Doch dabei handelt es sich um rund 20 Einzelverträge mit der Stadt, dem Land, Landkreisen und Kommunen. Für die meisten arbeiten wir schon viele Jahre. Aus dieser Stärke heraus, erweitern wir seit 2020 aktiv unseren Kundenkreis um Unternehmens- und Privatkunden. Dies zahlt sich mehr und mehr aus.
GBC: Im ersten Halbjahr liegen Sie mit einem Wachstum von rund 20 % auf 6,12 Mio. Euro und einem überproportionalem Gewinnanstieg über unseren Schätzungen. Wird 2021 ein Rekordjahr?
Oliver Reisinger: Wir sind jedenfalls auf einem sehr guten Weg. Wobei Umsatzgenerierung ja relativ einfach ist. Wie bereits erwähnt, muss bei uns auch die Marge stimmen. Neue Kunden sind beispielsweise Konsulate und Einzelhändler. Damit ergänzen wir unser Stammgeschäft mit Behörden und stellen uns breiter auf. Auch weit über das laufende Jahr hinaus bietet uns die Metropolregion München viel Potenzial. Beispielsweise haben wir gerade erst begonnen, den Markt private Überwachung und Revierüberwachung zu erschließen.
GBC: Wie groß ist der Markt für Sicherheitsdienstleistungen im Großraum München?
Oliver Reisinger: Grundsätzlich befinden wir uns in einem Wachstumsmarkt. Seit 2010 ist die Branche durchschnittlich um über 6 % jährlich gewachsen. Sie profitiert von der seit Jahren steigenden Gewaltbereitschaft und dem sinkenden Sicherheitsgefühl. Heute gibt es Sicherheitspersonal in Supermärkten, Jobcentern und Krankenhäusern. Auch im Corona-Jahr 2020 ist der Umsatz rund um Schutz und Sicherheit um 4,5 % auf 9,2 Mrd. Euro gestiegen. Der Großraum München hat sicherlich einen Anteil von 10 % am Gesamtmarkt – hat also ein Volumen von 900 Mio. Euro. Er bietet uns eine bundesweit wohl einzigartige Kombination aus Wirtschafts- und Lebensraum: Rund 13 Mio. Einwohner mit einem hohen durchschnittlichen Einkommen, DAX-Konzerne und starker Mittelstand, zwei internationale Messestandorte und über 100 Konsulate.
GBC: Und wie sieht das Wettbewerbsumfeld aus?
Oliver Reisinger: Das Wettbewerbsumfeld ist in München und bundesweit stark fragmentiert. Neben den beiden Marktführern mit jeweils mehreren Hundert Millionen Euro Jahresumsatz gibt es gemäß Branchenverband BDSW rund 5.600 kleine und mittlere Wir fühlen uns in diesem Umfeld sehr wohl. Es bietet attraktive Möglichkeiten für Übernahmen. Und inzwischen sind wir so professionell aufgestellt wie die beiden Branchenführer. Gleichzeitig haben wir unsere mittelständisch geprägte Unternehmenskultur bewahrt. Diese Mischung schätzen unsere Kunden und Mitarbeiter.
GBC: Ist eine Expansion über den Großraum München hinaus für Sie denkbar?
Oliver Reisinger: Die regionalen Eintrittsbarrieren in Sicherheitsmarkt sind höher als man vielleicht meint. Davon profitieren wir in unserem Markt. Eine regionale Expansion ist für uns nur durch Übernahme oder strategische Partnerschaft attraktiv. Falls sich eine Chance ergeben sollte, wäre der Raum Stuttgart oder Österreich mit seinen Skigebieten interessant.
GBC: Wo sehen sie sdm in fünf Jahren?
Oliver Reisinger: Sicherlich auf einem ganz anderen Umsatz- und Ertragsniveau. Ich bin überzeugt davon, dass wir schneller und profitabler wachsen werden, als viele meinen. In praktisch jedem Kundenkreis – Unternehmen, Behörden, privates Umfeld – sehen wir in unserer Region in den kommenden Jahren viel Potenzial. Dieses wollen wir auch durch die Erweiterung unseres Leistungsspektrums erschließen, unter anderem um Videoüberwachung.
GBC: Daher der Börsengang?
Oliver Reisinger: Richtig. Für die Videoüberwachung benötigen wir eine Sicherheits- Alarmzentrale. Der Kauf einer passenden Immobilie ist am Ende günstiger als die Miete. Der aufwendige Innenausbau ist bei beiden nötig. Die elektronische Überwachung – künftig auch mit Drohnen – ist weniger personalintensiv. Auch der Wettbewerb ist geringer. Mit größeren potentiellen Kunden sind wir bereits im Gespräch. Auch die datenschutzkonforme Videoüberwachung für Privatimmobilien ist sehr spannend. Bei einem Monatspreis von 80 Euro müssen wir 600 Kunden gewinnen, um unseren Umsatz um 5 % zu steigern. Dies sollte im Münchner Süden sehr gut möglich sein.
GBC: Außerdem wollen Sie durch Übernahmen wachsen?
Oliver Reisinger: Ja. Neben dem organischen Wachstum bieten sich uns derzeit attraktive Übernahmemöglichkeiten, beispielsweise aufgrund fehlender Nachfolgemöglichkeiten. Wir würden gerne noch im laufenden Jahr die erste Akquisition finalisieren und trauen uns 2022 zwei weitere zu.
GBC: Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg, vielen Dank für die Einblicke.

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