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SBF: Zielmärkte wachsen stetig - Vorstandsinterview

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Der GBC-Analyst Marcel Goldmann hat mit Rudolf Witt, Vorstand der SBF AG, über die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2022 und die geplante Übernahme gesprochen.
GBC: Ihr Unternehmen operiert ganz stark in den Sektoren Bahntechnik/Schienenfahrzeuge und öffentliche Infrastrukturen. Gerade der verstärkte Trend zu 'Green Mobility' und zu nachhaltigen und modernen Infrastrukturen haben diesen Sektoren einen zusätzlichen „Auftrieb“ gegeben - auch dank starker politischer Unterstützung, da viele Staaten den Umwelt- und Klimaschutz verstärkt voranbringen wollen. Wie schätzen Sie aktuell Ihre Zielmärkte ein? Rechnen Sie weiterhin mit einer hohen Nachfrage nach Ihren Produkten, auch trotz des herausfordernden Umfelds (hohe Inflation, Lieferkettenprobleme etc.)?
Herr Witt: Unsere Zielmärkte wachsen stetig. Zudem unterstreichen die aktuellen politischen Bestrebungen im Umwelt- und Klimaschutz das enorme Zukunftspotenzial. Davon profitieren wir weltweit. Wir haben uns in den vergangenen Jahren eine hervorragende Position erarbeitet, um mit dem Markt zu wachsen. Gleichzeitig steigern wir mit unserer langjährigen Expertise unseren Marktanteil entlang der Wertschöpfungskette. Unsere Produkte sind auf lange Sicht gefragt. Im Geschäftsfeld Schienenfahrzeuge haben wir aktuell einen hohen Auftragsbestand von 27,9 Millionen Euro. Unsere Kunden sind überwiegend Marktteilnehmer, die lang- und mittelfristig planen und Herausforderungen wie Inflation und Lieferkettenprobleme einkalkulieren. Daher sind wir in der Lage, diese Thematiken anzusprechen und mit unseren Kunden gemeinsam zu lösen. Kurzfristig ergeben sich Auswirkungen auf unsere Kosten- und Leistungsstrukturen, die sich jedoch mittel- und langfristig ausgleichen.
GBC: Die SBF-Gruppe hat am 17.08.2022 die Geschäftszahlen für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahr 2022 bekannt gegeben. Hiernach hat Ihr Unternehmen beim Umsatz deutlich um 15,7% auf 17,70 Mio. EUR (1. HJ 2021: 15,3 Mio. EUR) zulegen können. Hingegen ist das EBITDA leicht auf 2,0 Mio. EUR (1. HJ 2021: 2,3 Mio. EUR) gesunken. Aufgrund von schwierigen Rahmenbedingungen haben Sie Ihre bisherige Guidance gesenkt und erwarten nun Umsatzerlöse von rund 36,0 Mio. EUR (zuvor: > 40,0 Mio. EUR) und ein EBITDA von rund 3,70 Mio. EUR (zuvor: Ergebnismarge über Branchendurchschnitt). Bedingt durch erwartete Sondereffekte stellen Sie ein bereinigtes EBITDA (Adj. EBITDA) von über 4,00 Mio. EUR in Aussicht. Wie fällt Ihr Fazit für das erste Halbjahr aus und woher resultieren die erwarteten hohen Sonderbelastungen bzw. Sondereffekte? Welche Ziele haben Sie sich für das aktuelle Geschäftsjahr gesetzt?
Herr Witt: In Summe sind wir mit der Entwicklung der SBF-Gruppe zufrieden. Wir haben uns im Angesicht der herausfordernden Marktbedingungen gut behauptet, auch wenn wir unsere ursprünglichen Umsatz- und Ergebniserwartungen nicht aufrechterhalten konnten. Mit der Kapitalerhöhung haben wir im ersten Halbjahr die Voraussetzungen für unser weiteres Wachstum geschaffen, sodass wir an unseren mittel- und langfristigen Wachstumsaussichten festhalten. Die Sonderbelastungen im ersten Halbjahr entstanden durch die Übernahme der Assets der Nordeon Lighting Solutions GmbH, die Integration der Lunux Lighting GmbH und die Aufnahme der Produktion am Standort Springe. Damit stärken wir unser Geschäftsfeld „Öffentliche und Industrielle Beleuchtung“. Zudem gab es einen ertragsmindernden Effekt durch latente Steuern. Unsere Investitionen in die Produktionskapazitäten und Lagerbestände in beiden Geschäftsfeldern werden sich zukünftig positiv bemerkbar machen. Für das aktuelle Geschäftsjahr 2022 erwarten wir nunmehr einen Umsatz von rund 36 Millionen Euro und ein EBITDA von rund 3,7 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der beschriebenen Sonderbelastungen wird das bereinigte EBITDA deutlich über vier Millionen Euro liegen.
GBC: Kurz nach der Veröffentlichung Ihrer Halbjahreszahlen haben Sie wichtige Fortschritte bei der beabsichtigten Übernahme eines Elektronikunternehmens bekannt gegeben. Was war der Hintergrund für diesen Schritt (strategische Logik) und welche konkreten Vorteile bzw. Effekte erhoffen Sie sich aus dieser geplanten Transaktion (voraussichtliche Übernahme im Q4 2022)? Wie ist allgemein Ihre M&A-Strategie?
Herr Witt: Wir haben den Due-Diligence-Prozess erfolgreich abgeschlossen und sind nunmehr in die nächste Phase der Verhandlungen eingetreten. Eine grundsätzliche Einigkeit über eine Mehrheitsbeteiligung im vierten Quartal 2022 wurde erzielt. Durch die Transaktion erreichen wir eine höhere Wertschöpfungstiefe, was sich positiv auf die Beschaffung bei den für unsere Produkte notwendigen Elektronikbauteilen auswirkt. Damit können wir unsere Lieferperformance steigern. Des Weiteren erhöhen wir die Diversifikation in unserem Produktportfolio und optimieren unsere Kostenstruktur. Wir rechnen mit einem zusätzlichen anorganischen Umsatzwachstum im hohen einstelligen Millionenbereich und einen wesentlichen Beitrag zur Profitabilität in der SBF-Gruppe. Die Übernahme eines erfolgreichen Unternehmens ist dabei von Vorteil, da die SBF-Gruppe in ein laufendes profitables Geschäft einsteigt und Synergien sofort nutzen kann. Wir bewerten gezielt Opportunitäten, um unsere Position entlang der Wertschöpfungskette zu stärken oder den Markt durch sinnvolle Erweiterung unserer Produktpalette und Expertise zu vergrößern. Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, um auch in diesen herausfordernden Zeiten die sich bietenden Chancen zu nutzen.
GBC: Sie haben in der Vergangenheit im Rahmen Ihrer durchgeführten Asset-Deals (Lunux & Nordeon) neben Maschinen, Markennamen ebenfalls auch Vorräte erworben, die auch im abgelaufenen Geschäftsjahr durch die Aufdeckung stiller Reserven die Ergebnisentwicklung zusätzlich beflügelt haben. Inwieweit können Sie auch im laufenden Geschäftsjahr noch von vorhandenen Vorratsbeständen kostenseitig profitieren?
Herr Witt: Mit Aufnahme der Produktion am Standort Springe (ehemals Nordeon) Mitte dieses Jahres rechnen wir damit, stille Reserven zu heben. Die stillen Reserven aus den Vorräten wirken sich kurz- bis mittelfristig aus und werden mit den Anlaufkosten teilweise kompensiert. Der Effekt der stillen Reserven aus den Markennamen und Maschinenparks ist hingegen ein langfristiger Effekt und wird sich über das Jahr 2023 hinaus überproportional auswirken, sobald wir die entsprechende Auslastung in den Produktionskapazitäten erreichen. Daher investieren wir aktuell wie geplant in den Vertrieb und die Überwindung von Lieferengpässen, um diesen Kostenvorteil zu erreichen und zu nutzen. Darüber hinaus stehen uns ein moderner Maschinenpark und Produktionskapazitäten zur Verfügung, die ein erhebliches Wachstum ermöglichen. Die Wiederbeschaffungswerte stellen eine sehr hohe Einstiegsbarriere dar.
GBC: Kürzlich hat das SBF-Management erneut eigene Aktien des Unternehmens über Marktkäufe (Sekundärhandel) erworben. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Herr Witt: Wir sind von unserer Strategie überzeugt, kennen unser Wachstumspotenzial und halten daher an unserem mittelfristigen und vor allem langfristigen Plan fest, Umsätze in der SBF-Gruppe von über 100 Millionen Euro zu erreichen. Wir rechnen zudem damit, dass unsere EBITDA-Marge mittel- bis langfristig überproportional zunimmt und bei mindestens 15 Prozent liegen wird. Beim Umsatz erwarten wir mittelfristig 50 Millionen Euro. Aus dieser Wachstumsdynamik ergibt sich aus unserer Sicht ein deutliches Wertsteigerungspotenzial für unserer Aktie.
GBC: Trotz der mit den Halbjahreszahlen angepassten Unternehmensguidance halten Sie an Ihren kommunizierten mittel- und langfristigen Zielen (langfristiges Umsatzziel: >100,0 Mio. EUR; EBITDA-Marge: 15,0%) fest. Was stimmt Sie so optimistisch dieses perspektivische Umsatz- und Ertragsziel auch trotz schwieriger Rahmenparameter erreichen zu können?
Herr Witt: Unsere Geschäftsfelder "Schienenfahrzeuge" (Decken- und Beleuchtungssysteme) und 'Öffentliche und Industrielle Beleuchtung' verfügen über deutliches Wachstumspotenzial - insbesondere aufgrund des historischen Investitionsstaus sowie der im Fokus stehenden Umwelt- und Klimaschutzziele. Diese werden durch politische Maßnahmen flankiert und Investitionen in unseren Marktsegmenten werden gefördert. Wir haben in die entsprechenden Produktionskapazitäten investiert und werden bei steigenden Umsätzen die entsprechende Zielkostenstruktur und Ertragslage erreichen.
GBC: Herr Witt, vielen Dank für das Gespräch.

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