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Tick Trading Software AG: Führende Rolle in Europa angestrebt - Vorstandsinterview

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Der GBC-Analyst Marcel Goldmann hat mit dem Vorstand Carsten Schölzki von der Tick Trading Software AG über die aktuelle Geschäftsentwicklung, das Geschäftsmodell und über die Perspektiven der Gesellschaft gesprochen.
GBC AG: Die tick TS agiert mit ihrem softwarebasierten Leistungsangebot im Finanzsektor und unterstützt u.a. Finanzunternehmen bei der Digitalisierung Ihrer Geschäftsmodelle und bei der Einhaltung von Compliance-Vorschriften. Wie entwickelt sich aktuell der Markt, indem die tick TS agiert? Welche Trends sind in Ihren Marktsegmenten zu beobachten und inwiefern kann Ihr Unternehmen von diesen identifizierten 'Strömungen' profitieren?
Carsten Schölzki: Die tick Trading Software AG agiert in einem Markt, der einerseits geprägt ist von ständiger Weiterentwicklung und von Ideen, die junge und agile Finanztechnologieunternehmen umsetzen wollen und anderseits gibt es vonseiten der Kundschaft den Willen und die Notwendigkeit, erprobte und stabile Systeme einzusetzen. Die Endkunden wollen im Wertpapierhandel alle technischen Raffinessen nutzen können, gleichzeitig müssen die Systeme aber ständig verfügbar und einsatzbereit sein. Zu den Trends: In den vergangenen Jahren konnten wir erleben, dass viele junge Leute den Wertpapierhandel für sich entdeckt haben und viele davon auch nach Abflauen des Hypes um die sogenannten Gamestop-Aktien weiterhin aktiv sind. Gleichzeitig haben auch ältere, eher konservative Menschen Wertpapiere für sich entdeckt. Es ist gar nicht mehr ungewöhnlich, wenn der Opa für den Enkel einen ETF Sparplan anlegt, anstatt regelmäßig auf ein Sparkonto einzuzahlen. Ein weiterer Trend ist die ständige Erweiterung der Compliance Anforderungen an unsere Kunden und direkt und indirekt auch an uns. Von beiden Trends können wir profitieren, da sie zu einer erweiterten Nutzung unserer Trading-Software führen wird.
GBC AG: tick TS verfolgt allgemein eine wachstumsorientierte Unternehmensstrategie. Bitte erläutern Sie uns nochmal kurz den aktuellen strategischen Fokus Ihrer Gesellschaft.
Carsten Schölzki: In erster Linie wachsen wir mit unseren Kunden. Wird unsere Software bei den bestehenden Kunden stärker und umfassender eingesetzt, dann ist dies natürlich auch mit einer Steigerung unserer Erlöse verbunden. Daneben setzen wir alles daran, neue Kunden zu gewinnen und mit diesen ein ganz neues Produkt aufzubauen oder ein bestehendes Handelssystem zu ersetzen.
GBC AG: Der russische Überfall auf die Ukraine führte zu einer großen Diskussion um die Ressourcenknappheit und auch ein möglicher Konflikt in China/Taiwan beunruhigt die Finanzmärkte. Inwiefern sehen Sie die tick TS berührt von den aktuellen Entwicklungen in der Welt?
Carsten Schölzki: Wir sind in erster Linie tief betroffen von den Geschehnissen in der Ukraine und hoffen, dass dieser und auch der Konflikt zwischen China und Taiwan schnell friedlich und gleichberechtigt gelöst werden kann. Glücklicherweise treffen uns die Auswirkungen von Sanktionen und Lieferengpässen nur indirekt durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. Die tick TS hat keine nennenswerten eigenen
Geschäftsbeziehungen nach Osteuropa oder China. Neben den Preissteigerungen, die wir selbst nur bedingt und zeitlich verzögert an unsere Kunden weitergeben können, sehen wir das Risiko, dass gewisse IT-Ausrüstungsgegenstände und Entwicklerkapazitäten knapp und dadurch noch teurer werden könnten.
GBC AG: Vor dem Hintergrund der Gefahr einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur oder gar rezessiven Entwicklung. Wie stabil bzw. robust schätzen Sie Ihre Zielmärkte und Ihr Geschäftsmodell im Falle einer auftretenden Rezession oder geringeren Handelsaktivitäten ein?
Carsten Schölzki: Eine Rezession allgemein und geringere Handelsaktivitäten im Besonderen sind grundsätzlich keine guten Vorzeichen für unser Geschäft. Während der Wegfall von lastenabhängigen Vergütungen sich direkt auf unseren Gewinn auswirken würde, profitieren wir bei einer nur kurzfristigen Konjunkturdelle von unserem hohen Anteil an fixen Umsätzen und langen Kündigungsfristen. Dadurch sind wir in der Lage, früh auf sinkende Umsätze zu reagieren und die eigene Kostenbasis anzupassen. Wie man an der Geschäftsentwicklung der tick-TS nach 2009 sehen konnte, führte auch der damalige Einbruch an den Kapitalmärkten im Rahmen der letzten Finanzkrise zu einem nur kurzzeitigen Rückgang der Geschäfte. Entsprechend gehen wir davon aus, dass ein neuerlicher Einbruch der Konjunktur keine langanhaltenden Auswirkungen auf die tick-TS haben wird. Um dennoch auch wirtschaftlich auf einen stärkeren Einbruch vorbereitet zu sein, haben wir bereits im letzten Geschäftsjahr unsere Eigenkapitalbasis aus eigener Kraft verstärkt. Wir werden auch weiterhin die bestehenden satzungsmäßigen und bilanziellen Möglichkeiten nutzen, die Resilienz der tick TS zu erhöhen.
GBC AG: Ihr Unternehmen hat kürzlich seine Geschäftszahlen für die ersten sechs Monate des aktuellen Geschäftsjahres bekannt gegeben. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Geschäftsentwicklung? Wie fällt Ihr Fazit für diese Geschäftsperiode aus?
Carsten Schölzki: Angesichts der Marktlage hat sich unser Geschäft gut entwickelt. Natürlich ist man immer bestrebt, besser als im Vorjahr zu sein, aber nach den außerordentlichen Zahlen im Geschäftsjahr 2020/2021 war das von vornherein nicht erwartbar. Highlights der ersten sechs Monate waren für uns das Projekt sino/Baader, bei welchem wir den Wechsel der sino AG von der HSBC zur Baader Bank als abwickelnde Bank umsetzen, und die weiterhin außerordentlich gute Entwicklung bei der Trade Republic. Wir sind stolz, deren Erfolgsgeschichte mit unserer Software von Anfang an mit aufgebaut und begleitet zu haben.
GBC AG: Im Rahmen der Veröffentlichung Ihres Halbjahresgeschäftsberichts haben Sie ebenfalls bekannt gegeben, dass es der tick TS gelungen ist, eine weitere renommierte inländische Bank als Kunden zu gewinnen. Welche Potenziale sehen Sie allgemein für diese gestartete Kooperation? In welchen Bereichen könnten sich zusätzliche Erlöschancen ergeben?
Carsten Schölzki: Eine neue Geschäftsbeziehung führt im Normalfall zu zwei oder drei Erlösströmen. Bei der Anbindung unserer Software an die Bankensoftware des Kunden fallen Einmalerlöse an, deren Umfang abhängig davon ist, wie speziell die Kundenwüsche sind und ob wir früher bereits andere Kunden an diese Software bzw. die entsprechende Schnittstelle angebunden haben. So wird es zukünftig vermutlich einfacher, neue Kunden mit Anbindung an die Baader Bank auf unsere Software zu migrieren. Besonders nachhaltig sind die Lizenzerlöse aus der Nutzung unserer Software. Die Höhe dieser Erlöse ist anhängig davon, in welchem Umfang und mit welchen Börsen- und Marktdatenanbindungen TBMX genutzt wird und wie viele Nutzer auf Kundenseite aktiv sind. Ein möglicher dritter Erlös ergibt sich, wenn mit dem Kunden lastabhängige Gebühren vereinbart wurden.
GBC AG: tick TS konnte in der Vergangenheit deutliche Zuwächse auf Umsatz- und Ergebnisebene erreichen. Was können Anleger und Investoren im laufenden Geschäftsjahr von Ihrem Unternehmen erwarten? Welche Unternehmens-Guidance haben Sie sich gegeben?
Carsten Schölzki: Leider mussten wir zwischenzeitlich unsere Ziele für das laufende Geschäftsjahr leicht nach unten anpassen und gehen nunmehr davon aus, dass wir einen Jahresüberschuss in einer Spanne von TEUR 1.800 – TEUR 2.200 erreichen werden. Diese Anpassung wurde notwendig, da wir Kostenerhöhungen aufgrund der sprunghaft angestiegenen Inflation nicht unmittelbar an unsere Kunden weitergeben und vor allem, weil wir ein bislang eingeplantes Projekt mit einem Bestandskunden nicht wie geplant in diesem Geschäftsjahr umsetzen konnten. Da es bei unseren Investoren Spekulationen um dieses Projekt gab, lassen Sie mich erläutern, dass es sich dabei nicht um das fast fertiggestellte sino/baader Projekt handelt und wir auch Stand heute nicht genau sagen können, in welcher Form dieses Projekt zukünftig umgesetzt wird. Um welchen Kunden es sich dabei handelt, kann ich leider nicht sagen, da wir mit der Nennung ungewollt Informationen preisgeben würden, die Rückschlüsse auf das Geschäft dieses Kunden zulassen würden. Sie können sich vorstellen, dass dieser Kunde davon nicht begeistert wäre und unsere zukünftige Zusammenarbeit darunter leiden könnte.
GBC AG: Wo sehen Sie tick TS in den kommenden drei bis fünf Jahren, insbesondere im Hinblick auf Geschäftsvolumen und Leistungsangebot? Welche allgemeine Vision verfolgen Sie für Ihr Unternehmen?
Carsten Schölzki: Wir wollen langfristig als einer der führenden Anbieter in Europa für elektronische Handelssysteme wahrgenommen werden. Diese Vision ist eine immense Herausforderung, da unser Geschäftsfeld sehr abhängig ist von Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Dadurch ist es auch schwierig, eine Prognose über einen so langen Zeitraum zu geben. Wie Sie wissen, verpflichtet uns unsere Satzung zur fast vollständigen Ausschüttung unseres Bilanzgewinns. Wenn wir es schaffen, unseren Aktionären eine Rendite von im Durchschnitt mindestens 5,0% zu ermöglichen, wäre dies eine Zielstellung, die ich auch langfristig für erstrebenswert halte. Im Hintergrund bedeutet so eine Rendite aber viel Arbeit und das ständige Streben, bestehenden Kunden und potenziellen Neukunden zuverlässige Applikationen und Dienstleistungen mit hohem Nutzen anzubieten. Dazu brauchen wir auch weiterhin die besten Mitarbeiter, ein intensives Gespür für den Markt und die Wünsche unserer Kunden, und politische Entscheidungen, die dem Handel auf elektronischen Marktplätzen förderlich sind. Die Aktienrente könnte so eine Entscheidung sein, wenn diese dazu führt, dass die Aktionärsquote in Deutschland noch einmal ein gutes Stück erhöht wird.
GBC: Vielen Dank für das Gespräch.

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